Ein blinder Kater erobert die Welt – Die Geschichte vom kleinen Elvis

Mein Freund und ich wollten uns eigentlich zwei ältere Katzen aus dem Tierheim oder einer Katzenrettung holen. Wir hatten aber nichts Passendes gefunden und ließen die Suche dann erst mal gut sein. Eine Bekannte von meinem Freund, die bei einem Tierarzt arbeitet, veröffentlichte dann bei Facebook ein paar Bilder von Katzenbabys, die bei ihr in der Praxis abgegeben wurden und jetzt leider keine Mama mehr haben und in ein paar Wochen dann ein neues Zuhause suchen.

Also sind wir dorthin gefahren um uns die Kleinen anzuschauen und haben uns sofort in Elvis und Mickey verliebt, die vielleicht gerade mal 6 Wochen alt waren. Die Katzenkinder wurden dort mit der Flasche aufgezogen und waren schon sehr zutraulich und an Menschen gewöhnt. Als die beiden dann ca. 8 Wochen alt waren, haben wir sie abgeholt, da sie ja sowieso ohne Katzenmama aufgezogen wurden, denn normalerweise ist das ja zu früh. Die beiden haben sich auch sehr schnell bei uns eingelebt und wir gehen stark davon aus, dass Elvis nicht von Geburt an blind war. Ich habe nämlich noch Videos, wo er wie wild (und sehr kontrolliert) durch die Wohnung rennt. Ich denke, in der Zeit in der er noch sehen konnte, hat er sich auch die Wohnung sehr gut eingeprägt.

Elvis der blinde Kater

Die ersten Anzeichen der Erblindung

Bald fielen uns seine sehr krass grünen Augen auf, die auch beim Fotografieren mit Blitz sehr stark reflektierten (siehe Bild). Außerdem wurde er ein bisschen vorsichtiger und tastete sich oft langsam auf dem Sofa voran, wenn er zum Schmusen kam. Immer öfter ist uns dann aufgefallen, dass, wenn wir z. B. den Staubsauger mal an einem Ort stehen hatten, wo er normalerweise nicht steht, Elvis dagegen lief. Wahrscheinlich denken sich alle, dass es ja so offensichtlich sein muss, wenn die Katze blind wird / ist, aber es war wirklich schwer das zu erkennen, da er immer noch mit Mickey spielend durch die Wohnung rannte (er meist hinter Mickey her) oder direkt von der obersten Fläche des Kratzbaums auf die Couch sprang („welche blinde Katze kann denn sowas?“ denkt man sich). Auch beim Spielen konnte man es nicht sofort erkennen, da fast all unser Spielzeug mit Glocken versehen war, wodurch Elvis ja immer noch hören konnte, wo das Spielzeug ist und wie immer damit spielte.

Diagnose: „Grüner Star“ – Ihre Katze ist blind

Als sich die Vorfälle häuften, dass er gegen irgendwelche Gegenstände lief, entschlossen wir uns zum Tierarzt zu gehen. Tatsächlich sagte der Tierarzt, dass alles mit Elvis‘ Augen in Ordnung sei. Es vergingen also weitere Wochen, bevor wir dann zum Augenspezialisten mit ihm gingen, der uns dann leider sagte, dass Elvis ein Glaukom hat (grüner Star) und sein Augeninnendruck so stark erhöht war, dass der Sehnerv komplett geschädigt war und er völlig erblindet ist. Hätten wir es früher erkannt, hätte man vielleicht noch eine eingeschränkte Sehkraft bei ihm erhalten können; so konnten wir leider gar nichts mehr machen, was uns sehr traurig machte. Vor allem auch, da wir ja schon Wochen vorher bei unserem Haustierarzt nachgefragt hatten. Wir bekamen dann Augentropfen für Elvis, um den Augeninnendruck zu senken, da dies auch Kopfschmerzen bei Katzen verursachen kann.

Trotz Blindheit voll im Leben

Als wir also wussten, dass Elvis leider blind ist, haben wir ehrlich gesagt nicht sehr viel in der Wohnung verändert, da er dort super zurechtkam. Natürlich vermeiden wir es, Möbel zu verschieben bzw. woanders zu platzieren und auch die Klos / Futterstelle bleiben ab jetzt am selben Platz wie immer, aber ich habe auch das Gefühl, dass er mit kleinen Veränderungen keine Probleme hat. Er ist vorsichtig beim Rennen und Toben und rennt auch meist dicht neben Mickey her (wahrscheinlich orientiert er sich auch stark an ihm). Ab und zu passiert es leider trotzdem noch, dass er z.B gegen die Tür rennt, da er den Durchgang verfehlt wenn er zu stürmisch ist, aber damit kommt er auch zurecht J Problematisch wird es, wenn es zum Tierarzt geht und er in seine Box muss. Da hat er glaube ich schon sehr dolle Angst, einfach weil er nicht sieht was mit ihm passiert. Ansonsten ist er für uns ein ganz normaler Kater, er spielt wie wild mit den Angeln, er liebt alles was raschelt und Geräusche macht, er liebt den Klang von Leckerlies Ich denke, es ist wichtig, blinden Katzen eine so gut es geht gleich bleibende Umgebung bieten zu können und man muss viel mit ihnen sprechen und eben Spielzeug mit Glöckchen, oder etwas das Geräusche macht, benutzen. Elvis hat sicherlich auch den Vorteil, dass er seine Umgebung anfangs noch sehen und diese sich einprägen konnte.

In Zukunft würde ich wahrscheinlich schneller zu einem „Spezialtierarzt“ gehen, als wir es bei Elvis getan haben, aber das kann man nun nicht mehr ändern und er ist ein super glücklicher, verschmuster und verspielter Kater, wie man auf den Bildern sehen kann.

Baby-ElvisElvis mit Kumpel MickeyElvis beim Sonnenbaden

Autor: Martina Schempp