Probiotische Bakterien - für eine gesunde Mikroflora

Mikroorgansimen kommen überall in der Natur vor. Auch auf Haut und Schleimhaut sind sie in großer Anzahl zu finden.

Die meisten Mikroorganismen sind gutartig und sogar nützlich. Eine positive Mikroflora auf der Haut kann das Risiko von Krankheitserregern reduzieren. Verschiebt sich das mikrobielle Gleichgewicht jedoch zugunsten der schädlichen Mikroorganismen, können Hautinfektionen die Folge sein. Dies ist z.B. bei der Mauke der Fall, wenn die schädlichen Bakterien durch kleine Risse in die Haut eindringen.

Aufbau einer Mikroflora / Bakterienflora

Mikroorganismen organisieren sich zu einer mikrobiellen Gemeinschaft, um ihr Überleben zu sichern: Die sogenannte Mikroflora oder auch Bakterienflora.

In dieser Gemeinschaft hat jede Mikroorganismenart ihre spezifische Aufgabe und trägt zum Erhalt der Gemeinschaft bei. Das Ziel: Solange wie möglich als Gemeinschaft überleben.

Eine mikrobielle Gemeinschaft auf einer Oberfläche wird Biofilm genannt. Der Biofilm besteht aus verschiedenen Mikroorganismen und deren produzierten Stoffen. Die Stoffe dienen den Mikroorganismen gleichzeitig als Nahrung und als Schutzschicht gegenüber Umwelteinflüssen. Der Biofilm kann manchmal als Schmutzschicht sichtbar sein. Er kann unangenehm riechen und bietet eine ideale Umgebung für Krankheitserreger.

Die Mikroflora ist lebendig und passt sich den veränderlichen äußeren Umständen, wie Flüssigkeit, Nahrung, Temperatur etc., an. Die Mikroorganismen sind sogar in der Lage miteinander zu kommunizieren („Quorum sensing“).

Ohne äußere Eingriffe befindet sich die Mikroflora in einem natürlichen Gleichgewicht. Es sind sowohl unschädliche als auch schädliche Mikroorganismen vorhanden. Auf der besiedelten Oberfläche gibt es zudem viele leere unbesiedelte Plätze als Reserve. Weil die Mikroorganismen eine begrenzte Lebensdauer von wenigen Tagen haben, sterben in der Gemeinschaft regelmäßig einige Mikroorganismen ab und werden durch neue ersetzt. Die gesamte mikrobielle Gemeinschaft bleibt auf diese Weise relativ konstant.

Chemische Reinigung und Desinfektion

Nachdem Mikroorgansimen entdeckt und mit Krankheiten in Verbindung gebracht wurden, ging man davon aus, dass alle Mikroorganismen gefährlich sind und entfernt werden müssen. Zusätzlich zur Suche nach Krankheitsbekämpfungsmitteln (Antibiotika) wurde auch die Hygiene im Allgemeinen wichtiger. Es wurden Reinigungs- und Desinfektionsmittel entwickelt.

Reinigung: Das Entfernen von Schmutz von einer Oberfläche mit Hilfe von Seifen.

Desinfektion: Das Entfernen von Mikroorganismen von einer Oberfläche durch Abtöten mit Hilfe von Desinfektionsmitteln (Biozide).

Oft werden Seifen und Desinfektionsmittel auch kombiniert, sodass die Produkte eine reinigende und abtötende Wirkung haben. Das Ziel besteht darin, dass weder Mikroorganismen noch ihr Nährboden (=Schmutz) in unserer Umgebung vorkommen.

Resistenz-Problem

Anfangs hatten Reinigungs- und Desinfektionsmittel die gewünschte Wirkung: Mikroorganismen und Schmutz konnten leicht von einer Oberfläche entfernt werden.

Das Problem: Mikroorganismen sind in der Lage, sich schnell an ihre Umgebung anzupassen. Sie entwickelten Möglichkeiten, mit der Bedrohung, die Desinfektionsmittel für sie darstellten, umzugehen. Sie wurden resistent!

Auch für Reinigungsmittel entstanden Probleme: Der Biofilm wurde hartnäckiger und nahezu undurchdringlich für Seifen.

Das Desinfektions-Paradoxon

Nach der Desinfektion einer Fläche sinkt die Anzahl von Mikroorganismen auf dieser Oberfläche stark ab. Da jedoch einige Mikroorganismen resistent gegenüber Desinfektionsmitteln sind, können sie sich nach kurzer Zeit wieder ausbreiten. Durch das Abtöten vieler Mikroorganismen steht ihnen nun jedoch viel mehr Platz, Flüssigkeit und Nahrung zur Verfügung als vor der Desinfektion.

Die überlebenden, resistenten, schädlichen Keime breiten sich nach der Desinfektion auf der freigewordenen Fläche rasch aus. Jeder Desinfektionsvorgang führt daher zu einer Mikroflora mit immer mehr resistenten und schädlichen Keimen.

Das bedeutet: Je mehr Desinfektionsmittel eingesetzt werden, desto mehr schädliche Keime! (Desinfektions-Paradoxon)

Anwendung von probiotischen Bakterien

Die Bezeichnung „probiotisch“ bedeutet übersetzt so viel wie „für das Leben“(lat. pro = für; gr. bios = Leben).

Bei Auftragen von probiotischen Bakterien werden keine vorhandenen Mikroorganismen abgetötet, sondern lediglich leere Plätze auf der Oberfläche mit guten Mikroorganismen (Probiotika) gefüllt. Die Oberfläche ist nun vollständig mit Mikroorganismen besiedelt.

Doch wie kann das Problem der vorhandenen schädlichen Bakterien durch die Zugabe von noch mehr Bakterien gelöst werden?

Es passiert folgendes:

Mikroorganismen sind bestrebt, auf der besiedelten Oberfläche einige freie Plätze zu erhalten. Durch die Zugabe der probiotischen Bakterien sind nun keine freien Plätze mehr auf der Oberfläche verfügbar. Die vorhandenen Mikroorganismen kommunizieren miteinander und geben sich das Signal die Aktivität zu reduzieren. Die Fähigkeit zur Kommunikation wird „Quorum sensing“ genannte und erfolgt über Signalmoleküle.

Nach einigen Tagen scheiden viele Mikroorganismen durch Altersschwäche aus der mikrobiellen Gemeinschaft aus und werden durch die reduzierte Aktivität nicht ersetzt. Die Mikroorganismen wechseln erst wieder zur normalen Aktivität, wenn wieder ausreichend freie Plätze vorhanden sind. Durch die regelmäßige Anwendung der probiotischen Flüssigkeit, werden jedoch stetig probiotische Bakterien auf die freien Plätze in der mikrobiellen Gemeinschaft aufgebracht. Die Mikroorganismen sind daher kontinuierlich zur geringen Aktivität gezwungen. Dadurch sind irgendwann alle ursprünglich vorhandenen Mikroorganismen auf Grund ihres Alters aus der Gemeinschaft verschwunden.

Die Oberfläche ist nun zum Großteil mit probiotischen (guten) Mikroorganismen besetzt, ohne dass abtötende Mittel zum Einsatz kamen. Stattdessen kann über die selbstregulierende Arbeit der Natur, mit Probiotika eine gesunde Mikroflora gebildet und erhalten werden.

Die Vorteile:

  • Mikroorganismen können nicht gegenüber dem Vorhandensein anderer Mikroorganismen resistent werden, sondern nur gegenüber chemischen Stoffen, die sie bedrohen. Bei der Anwendung von probiotischen Bakterien gibt es daher kein Resistenzproblem!
  • Solange die probiotische Flüssigkeit angewendet wird, bleibt die gesunde Mikroflora stabil. Das Vorhandensein einer gesunden Mikroflora reduziert das Risiko von Krankheitserregern und Hautinfektion (z.B. bei der Mauke).
  • Durch Probiotika kann hartnäckiger Schmutz, wie z.B. Rossesekret bei Stuten, leichter entfernt werden!
  • Unerwünschte Mikroorganismen bilden schlechte Gerüche, Probiotika nicht. Durch die probiotische Reinigung können unangenehme Gerüche (z.B. verursacht durch das Rossesekret im Fell) verhindert werden.
  • Probiotika sind 100% natürlich und daher förderlich für die Umwelt!