Winterfell ade - Die richtige Pflege während des Fellwechsels

13.02.2017 10:18

Wenn der Frühling näher rückt, beginnt bei allen Pferdehaltern wieder das große Putzen. Anders als beim Fellwechsel im Herbst, wo nur vereinzelt Haare abgestoßen werden und dichte Unterwolle nachgeschoben wird, ersetzt das Pferd im Frühjahr fast sein komplettes Haarkleid. Das bedeutet viel Arbeit für Mensch und Tier. Besonders Pferde in Robusthaltung legen sich große Mengen an Winterfell an, die sie nur schwer wieder loswerden. Rassen wie z.B. das Shetlandpony, Isländer oder das Norwegische Fjordpferd neigen ebenfalls zu einem besonders ausgeprägten Haarkleid im Winter. Grund dafür sind die kargen Gebiete mit rauem Klima aus denen diese Pferderassen stammen.

Pferd im Fellwechsel wird geputzt

Lange wurde angenommen, dass der Temperaturanstieg im Frühjahr den Startschuss für die Tiere gibt, ihr Winterfell loszuwerden. Vielmehr ist jedoch die Tageslänge die Ursache für das Abwerfen des Fells. Die genauen hormonellen Abläufe sind im Detail nicht geklärt, jedoch soll Melatonin dabei eine Rolle spielen. Melatonin ist umgangssprachlich als „Schlafhormon“ bekannt. Sobald es dunkel wird, wird die Bildung von Melatonin angekurbelt. Wie bei Menschen, werden auch Pferde dann müde. Durch lange Dunkelphasen im Winter, ist der Melatoninspiegel im Organismus dauerhaft höher als im Sommer. Durch den gesteigerten Lichteinfall im Frühling wird die Melatoninausschüttung gemindert und der Melatoninspiegel im Pferdekörper sinkt.  Die Pferde werden wacher und vitaler. Dem Organismus wird sugeriert, dass die Winterruhe zu Ende geht und das Abstoßen des Winterkleides wird aktiviert. Die Temperatur hingegen hat einen Einfluss auf die Geschwindigkeit des Fellwechsels und auf die Dichte des Haarkleides.

Wie kann ich mein Pferd im Fellwechsel unterstützen?

Um ihrem Tier den Verlust seines Winterfells etwas leichter zu machen, sollten Sie sich im Frühjahr besonders intensiv der Fellpflege widmen. Gründliches Putzen ist wichtig um den Fellwechsel und die Durchblutung der Haut anzuregen. Dafür gibt es einige praktische Utensilien die in Ihrem Putzkasten neben dem normalen Equipment nicht fehlen sollten:

Nadelstriegel:

Diesen Striegel verwende Ich gerne bei Pferden mit etwas längerem Fell. Durch die langen, feinen, nadelartigen Noppen bleibt die Unterwolle gut an der Bürste haften. Auch bereits verfilzte Areale lassen sich damit gut lösen. Besonders praktisch ist, dass dieser Striegel auch für das Kämmen von Mähne und Schweif benutzt werden kann.

Federstriegel:

Er besteht aus mehreren gezahnten Metallbögen und hilft einem bei dichtem Fell weiter, welches das Pferd alleine nicht ablösen kann. Die Haare bleiben gut an den Zähnen der Metallringe hängen. Bei besonders langhaarigen Tieren dringt er jedoch nicht bis auf die Unterwolle vor, da die Metallzähne zu kurz sind.

Massagestriegel:

Dieser Striegel besteht meist aus weichem Gummi und besitzt runde große Noppen. Nach der Fellpflege genießen meine Tiere eine zusätzliche Massage mit diesem Striegel immer sehr. Es regt die Durchblutung der Haut an und fördert die Bindung zwischen Ihnen und Ihrem treuen Begleiter.

Gumminoppen-Handschuh:

Er eignet sich ebenfalls hervorragend für eine wohltuende Massage nach der Reinigung des Fells und löst locker sitzendes Fell sanft ab.

Mähnenbürste:

Der Name dieser Bürste bedeutet nicht, dass sie sich nicht auch toll als Putzzeug für das Deckhaar eignet. Besonders bei meinem Minishetty habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Mähnenbürste die einzige ist, mit der ich durch das dichte, lange Fell bis auf die Haut runterkomme.

Zupfbürste:

Die Zupfbürste oder auch Rupfbürste ist eigentlich für langhaarige Hunde gedacht. Sie ist speziell konzipiert um die dichte Unterwolle zu entfernen. Deshalb ist sie besonders unter Isländerbesitzern sehr beliebt geworden. Oftmals haben diese Bürsten einen Mechanismus, der die Haare per Knopfdruck aus dem gezahnten Bereich entfernt. Dies verhindert das unnötige Haare zupfen.

Basteltipp für einen „Schubberbaum“:

Besonders bei Offenstallhaltung hat es sich bewährt den Pferden auf der Weide etwas anzubieten, woran sie sich scheuern können. Ansonsten nehmen sie auch gerne mal den Stützbalken vom Stall. Bevor Ihr Unterstand zusammenbricht, weil Ihr Pferd sich aufführt wie „Balu der Bär“, können Sie einen Scheuerbaum ganz leicht selber bauen.

Dafür benötigen Sie einen stabilen Pfahl und einen Besenkopf mit langen, festen Borsten. Die Länge und Dicke des Pfahls ist abhängig von der Größe und dem Gewicht Ihres Pferdes.

Der Pfahl wird in der Erde eingebuddelt. Wichtig ist, dass keine scharfen Kanten und Splittern hervorstehen, welche ein Verletzungsrisiko darzustellen. Der Besenkopf wird an gewünschter Höhe angeschraubt.

Fertig!

Probleme beim Fellwechsel?

Während des Fellwechsels vollbringt der Stoffwechsel wahre Höchstleistungen. Dementsprechend steigt der Bedarf an Nährstoffen zu dieser Zeit. Gesunde Pferde können diese Belastung bei bedarfsgerechter Fütterung und ausgiebiger Fellpflege gut wegstecken. Bei älteren Tieren und bei Pferden mit einem gestörten Stoffwechsel, wie Ekzemer , kann es Probleme beim Fellwechsel geben. Sie werden ihr Haarkleid nicht los. Dadurch können Juckreiz und Hautirritationen die Folge sein. Das Immunsystem wird geschwächt und Ektoparasiten können sich einnisten. Die Fellpflege ist bei diesen Tieren deshalb besonders wichtig. Vor allem sollten vorbeugende Maßnahmen rechtzeitig erfolgen. Wir empfehlen deshalb eine frühzeitige Behandlung mit noJuck noSchupp 2-Phasen-Pflege-Komplex um Ektoparasiten und gereizter Haut keine Chance zu geben.  Mit der Auskämmhilfe von noJuck noSchupp können abgestorbene Hautschuppen und Ektoparasiten leicht entfernt werden. Zusätzlich sollten Sie Ihr Pferd mit einer gezielten Futterergänzung unterstützen, um Mangelerscheinungen zu verhindern.

In schwerwiegenden Fällen sollte dennoch stets ein Tierarzt zu Rate gezogen werden!


Kommt gut durch den Fellwechsel, Eure Isabella

Autor dieses Artikels: Isabella

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