Die Blutegeltherapie – blutsaugende Parasiten erwünscht

26.09.2016 10:27

Blutegel - kleine, eklige, glitschige Tierchen? So oder so ähnlich wird die Reaktion vieler Fans sein, die diesen Artikel lesen. Sie werden bis zu 30 Jahre alt und bis zu 15 cm lang. Ihr Maul hat 3 Kiefer und 80 winzige Kalkzähne. Zugegeben, es gibt wirklich hübschere Tiere. Aber es gibt keine Tierart, die seit tausenden von Jahren erfolgreich in der medizinischen Therapie eingesetzt werden. Bei uns Menschen ebenso, wie, wenn auch unbewusst in der Tierwelt aus reinem Instinkt. Deswegen steht der Blutegel sogar unter dem Schutz des Washingtoner Artenschutzabkommens. Im 19ten Jahrhundert währen sie in Europa nämlich fast ausgestorben. Denn die therapeutische Wirkung war schon damals bekannt und hat zu großer Bejagung geführt. Tatsächlich gehen seit Urzeiten beispielsweise Rinder oder Schafe mit Gelenkproblemen in stehende Gewässer - Lebensraum der Blutegel - und lassen sich geduldig von den Ektoparasiten beißen und somit instinktiv heilen. 

So simpel wie einfach ist dabei das Vorgehen der kleinen Helfer: bei Entzündungen jeglicher Art kommt es zur Erwärmung der betroffenen Hautbereiche. Diese veranlassen die Blutegel dazu, an der richtigen Stelle zuzubeißen. So saugen sie sozusagen die Entzündung aus dem Körper. Therapeutisch eingesetzt, legt man sie natürlich gleich an den richtigen Ort. Sie ernähren sich sowohl von menschlichen als auch tierischen Proteinen. Sie können das fünffache ihres Körpergewichts in Blut aufsaugen. Währenddessen geben sie eine Art Analgetikum sowie einen Gerinnungshemmer ab, so dass es für den Kurierenden kaum zu Schmerzen kommt und das Blut nicht gerinnt. Entzündungen werden praktisch aus dem betroffenen Gewebe herausgesaugt, gleichzeitig werden mit dem Speichel der Tiere eine Vielzahl an heilenden und medizinisch wirksamen Substanzen wie u.a. entzündungshemmende und gleichzeitig durchblutungsfördernde Stoffe abgegeben. Das Immunsystem wird angeregt. Man kann sich das Ganze wie eine Entgiftungskur vorstellen. Dieser Prozess kann bis zu 3 Stunden dauern.

Blutegel - kleine Helfer, großes Aufgabengebiet

Diverse Erkrankungen, vorwiegend aber Entzündungen, werden in der Humanmedizin mit dieser speziellen Therapieform behandelt, u.a. Arthrose, Krampfadern, ja sogar Hämorrhoiden und vieles mehr.  Immer mehr im Kommen ist die Blutegeltherapie auch in der Tierheilkunde sowohl für Großtiere (Pferde), als auch Kleintiere - mit erfolgversprechender Wirkung. Blutegel, die für die medizinische Behandlung eingesetzt werden, sammelt man sich nicht etwa selber zusammen. Sie werden unter strengsten Auflagen gezüchtet. Das Aufsetzten der Egel und insbesondere die Nachbereitung macht ein gewisses Hintergrundwissen unerlässlich, so blutet die Wunde zum Teil noch stundenlang nach und sollte entsprechend versorgt werden. Bezieht man Blutegel z.B. von vorhandenen Züchtungen, so muss vor Abgabe für geeignete Berufsgruppen ein Therapeutenschein abgelegt werden. Hier handelt es sich dann um geprüfte Arzneimittel, und eine tierärztliche Behandlung findet oft in Kombination z.B. mit Tierphysiotherapeuten statt.

Nach diesen Erkenntnissen empfindet man die Blutegel vielleicht nicht mehr ganz so unangenehm. Zumindest erging es mir so. Nun sieht man sie als das, was sie sind: nebenwirkungsarme, schlaue Helfer in der Not! Jeder, der für sein Pferd einen Therapeuten mit derartigem Sachkundenachweis in seiner Umgebung hat, kann sich meiner Meinung nach glücklich schätzen.

Video Beitrag zur Blutegeltherapie bei Pferden

In der Mediathek findet Ihr ein interessantes Video zur Blutegel-Therapie bei Pferden.

Eine Tierphysiotherapeutin zeigt die Behandlung eines Pferdes mit Sehnenschaden. Zusätzlich wird die Zusammenarbeit mit einer Pferdeklinik dargestellt, bei der die Blutegeltherapie die Wundheilungsstörung zusätzlich bessern soll. Das Spektrum ist sehr groß, beispielsweise können auch Hufrehe oder Thrombosen behandelt werden. Die Wirkung geht vor allem auf zwei Eigenschaften der Blutegel zurück. Die enzuündungshemmenden Eigenschaften, z.B. bei Hufrollen- und Sehnenproblemen und Spat und die entstauende und schmerzlindernde Wirkung, z.B. bei Prellungen und Blutergüssen.

Habt Ihr Erfahrungen mit der Blutegeltherapie bei Euren Tieren, so schreibt uns gerne eine kurze Zusammenfassung. Wir werden diese gerne veröffentlichen, um so viel wie möglich über diese altbewährte Methode zu erfahren.

Lieben Gruß
Stephanie

Autor dieses Artikels: Stephanie

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