Zahnpflege beim Pferd - für gesunde Pferdezähne

12.03.2019 12:49

Das Gebiss des Pferdes ist auf permanente Nahrungsaufnahme von faserigen, fast holzigen Pflanzenmaterial ausgelegt. Durch die Domestikation des Pferdes wurden die Lebensumstände auch im Bereich Futter verändert. Die Zähne werden weniger beansprucht und dadurch anders abgenutzt, als bei ihren wild lebenden Vorfahren. Ohne eine regelmäßige Kontrolle und Korrektur der Zähne und der Zahnstellung, können deshalb auch Pferde “Zahnschmerzen“ bekommen.

Pferd zeigt beim Gähnen die Zähne

Anatomischer Aufbau des Pferdegebisses

Pferde kommen mit 12 bis 16 Milchzähnen zur Welt. Das Milchzahngebiss bleibt ungefähr bis zum 3. Lebensjahr erhalten. Dann beginnt der Zahnwechsel. Das bleibende Gebiss ist im fünften bis sechsten Lebensjahr vollständig ausgebildet.

Ein erwachsenes Pferd besitzt 36 bis 44 Zähne. Die genaue Zahl ist abhängig von der Anzahl der Hengst- und Wolfszähne.

Das Gebiss eines Pferdes setzt sich aus folgenden Zähnen zusammen:

  • 12 Schneidezähne (Incisivi)
  • 0 bis 4 Hengstzähne (Eckzähne)
  • 0 bis 4 Wolfszähne
  • 24 Backenzähne (Mahlzähne)

Die 12 vorderen Backenzähne werden „Prämolaren“ genannt, die hinteren 12 sind die „Molaren“. Das besondere an den Backenzähnen eines Pferdes ist der Zahnschmelz. Dieser überzieht die Zähne nicht kappenartig, wie bei uns Menschen. Ein Pferdezahn ist außen mit Zahnzement umgeben, danach folgt der Zahnschmelz und in der Mitte das Dentin. Diese unterschiedlich harten Substanzen nutzen sich unterschiedlich schnell ab. Dadurch entstehen Schmelzkanten, die dem Zahn eine raue Kaufläche geben, um das Futter besser zu zermahlen.

Farbpigmente aus dem Futter können sich in der Oberfläche des Zahns anheften und den Zahn so verfärben. Die dadurch teilweise braun-schwarze Farbe der Pferdezähne ist deshalb keine krankhafte Veränderung, sondern lediglich eine Verfärbung.

Sowohl die Schneide- als auch die Backenzähne eines Pferdes nutzen sich pro Jahr ca. 2 bis 3mm ab. Um den Abrieb auszugleichen werden sie pro Jahr wieder um 2 bis 3mm aus dem Zahnfach nachgeschoben. Die Zähne wachsen jedoch nur bis zu einem Alter von 7 bis 9 Jahren in ihrer Länge. Danach werden sie nur noch aus dem Kiefer in Richtung Maulhöhle rausgeschoben, werden aber insgesamt immer kürzer, bis sie im Alter komplett abgenutzt sind.

Eine große Zahnlücke zwischen den Eckzähnen und den ersten Backenzähnen ermöglicht es, dass ein Trensengebiss im Pferdemaul überhaupt Platz findet.

Was sind Hengstzähne?

Hengstzähne, auch Hakenzähne genannt, liegen in der großen Lücke zwischen den Scheide- und den Backenzähnen. Sie sind, anders als der Name vermuten lässt, nicht ausschließlich bei Hengsten, sondern teilweise auch bei Stuten zu finden. Bei Stuten sind diese Zähne jedoch meist kleiner oder sind sogar nur unter dem Zahnfleisch zu ertasten.

Für die Futteraufnahme sind Hengstzähne ohne Relevanz. Sie dienen als „Waffe“ für die Verteidigung bei Rangkämpfen. Der Aufbau dieser Zähne ist denen von Fleisch- oder Allesfressern ähnlich. Sie sind mit Zahnschmelz überzogen und werden, anders als die Backenzähne, nicht nachgeschoben.

Damit die spitzen Hengstzähne Zunge und Lippen nicht verletzen, müssen sie manchmal abgerundet werden.

Was sind Wolfszähne?

Wolfszähne sind “verkümmerte Backenzähne“, die vor den ersten richtigen Backenzähnen liegen. Sie sind nicht bei jedem Pferd gleich groß. Der Name „Wolfszahn“ steht in Anlehnung an die sogenannte „Wolfskralle“, eine verkümmerte Zehe an den Hinterläufen von Hunden.

Liegen Wolfszähne nicht sichtbar unterhalb der Zahnfleischoberfläche, werden sie „blinde Wolfszähne“ genannt.

Bei einigen Pferden, müssen die Wolfszähne im Jungpferdealter gezogen werden, da das Zahnfleisch zwischen ihnen und dem Gebiss eingequetscht werden kann oder sich die Wolfszähne lockern und so im Maul stören. Dies kann zu Rittigkeitsproblemen führen.

Schematische Darstellung eines Pferdegebisses
engl. incisors= Schneidezähne (Incisivi), engl. canine = Eckzähne (Hengstzähne), engl. wolftooth = Wolfszähne, engl. premolars = Prämolaren (vordere Backenzähne), engl. molars = Molaren (hintere Backenzähne)

Zahnprobleme des Pferdes

Der Oberkiefer des Pferdes ist breiter als der Unterkiefer. Wird, wie bei unseren domestizierten Pferden, nicht genügend hartes Futtermaterial zermahlen, können im Oberkiefer scharfe Kanten oder Haken an der Außenseite der Backenzähne und im Unterkiefer an der Innenseite entstehen, die normalerweise auf natürliche Weise abgerieben werden. Die scharfen Kanten können zu einer Verletzung der Backenschleimhaut und der Zunge führen.

Gebissanomalien können zu einer ungleichmäßigen Abnutzung der Zähne führen. Wellen und Stufen entstehen, sodass der Druck beim Kauen nicht mehr richtig verteilt wird. Verschieben sich dadurch Zähne aus der Zahnreihe, oder kippt ein Backenzahn, entstehen Zahnzwischenräume (Diastema), in denen Futterreste stecken bleiben können. In der Folge kann es zur Ausbildung von schmerzhaften Parodontaltaschen kommen. Hierbei handelt es sich um Taschen im Zahnfleisch, die bis tief zum Kiefer reichen können.

Fehlen Zähne in der Zahnreihe, wird der entsprechende Gegenspieler nicht abgerieben. Der Zahn wird immer länger und behindert den Mahlvorgang des Pferdes beim Fressen. Solche Zähne werden auch „Meißelzähne“ genannt.

Lange Schneidezähne

Bei nicht ausreichender Abnutzung besteht das Problem, dass viele Pferde wegen zu langen Schneidezähnen behandelt werden müssen, um die Balance wieder herzustellen. Stehen Zähne und Kiefer nicht richtig zueinander, werden die Zähne nicht gleichmäßig belastet und abgenutzt. Zu lange Schneidezähne sorgen dafür, dass die oberen und unteren Backenzähne nicht mehr richtig aufeinander liegen. Die Pferde müssen zum Kauen viel Druck ausüben um das Futter zwischen den Zähnen zermahlen zu können. Dies kann zu einer Überlastung des Kiefergelenks und einer Verspannung im Kopf- und Halsbereich führen.

Milchkappen

Beim Zahnwechsel können festsitzende Milchzahnkappen das Herausscheiben des neuen Zahnes behindern. Sucht sich der neue Zahn deshalb einen anderen Weg durch den Kiefer, können Entzündungen entstehen.

Zahnstein

Zahnstein setzt sich häufig an den Hakenzähne oder den Schneidezähnen an. Einige Pferde neigen mehr als andere zur Zahnsteinbildung. Der Zahnstein muss mechanisch entfernt werden, damit er das Zahnfleisch nicht zurück drängt oder es zu einer Zahnfleischentzündung kommt.

Karies

Das Entstehen von Karies ist beim Pferd ebenfalls möglich, wird jedoch durch die stetige Abnutzung und das Nachschieben des Zahns meist daran gehindert, sich weiter zu entwickeln. Eine Beschädigung des Zahnes, die Bildung von Zahnstein oder Futterreste in den Zahnzwischenräumen bieten Bakterien jedoch gute Bedingungen, um sich zu vermehren.

Eine zahnerhaltende Behandlung durch das Ausbohren und anschließende Füllen des betroffenen Zahnes ist auch bei Pferden möglich.

Symptome für Zahnprobleme beim Pferd

Einige Pferde leiden sehr lange still vor sich hin, bevor sie zeigen, dass ihnen die Zähne Schmerzen bereiten. Daher sollte eine Zahnkontrolle regelmäßig erfolgen, um Probleme rechtzeitig erkennen und behandeln zu können.

Sind Zahnprobleme bereits entstanden, können häufig einige der folgenden Symptome beim Pferd beobachtet werden:

Beim Fressen:

  • Gewichtsverlust trotz ausreichender Fütterung
  • Langsames, vorsichtiges Fressen (bis hin zur Futterverweigerung) oder sehr hastiges Fressen
  • Abnorme Kaubewegungen
  • Futter fällt beim Fressen aus dem Maul
  • Heuwickel werden gebildet
  • Schmatzgeräusche beim Fressen
  • Übermäßiges Speicheln

Beim Reiten:

  • Probleme beim Auf- und Abtrensen
  • Spanniges Pferd beim Reiten
  • Probleme beim Stellen, Verwerfen im Genick
  • Pferd wehrt sich gegen den Zügel
  • Pferd tritt nicht ans Gebiss heran
  • Bocken, Steigen, Zungenfehler

Generell:

  • Ungenügend zerkleinerte Partikel im Kot
  • Nasen- oder Tränenausfluss (oft einseitig)
  • Schwellungen im Kopfbereich
  • Berührungsempfindlichkeit im Kopfbereich
  • Verstopfungskolik
  • Schlundverstopfung
  • Mundgeruch
  • Headshaking

Spätestens jetzt ist dringend ein Tierarzt zu Rate zu ziehen, um die Zähne zu kontrollieren!

Pferd bei der Zahnbehandlung

Die Arbeit eines „Pferdezahnarztes“

Der Begriff „Pferdezahnarzt“ gibt es eigentlich nicht und ist sogar falsch. Trotzdem wird er umgangssprachlich gerne verwendet.

Den Titel des Zahnarztes darf man lediglich nach einem abgeschlossenen Hochschulstudium im Bereich Zahnmedizin tragen. Diese Absolventen sind jedoch nur im Humanbereich tätig.

Für die Zahnbehandlung beim Pferd gibt es keinen separaten Studiengang. Nach einem abgeschlossenen Studium im Bereich Tiermedizin trägt man den Titel Tierarzt. Anschließend können Fortbildungen in der Zahnheilkunde besucht werden.

In Deutschland besteht beispielweise die Möglichkeit eine Prüfung gemäß der IGFP-Prüfungsordnung abzulegen. Tierärzte dürfen sich dann zusätzlich „PferdeDentalPraktiker nach IGFP“ nennen.

Regelmäßige Kontrolle der Pferdezähne

Um Zahnproblemen beim Pferd vorzubeugen, ist eine regelmäßige Kontrolle der Zähne durch eine fachkundige Person wichtig. Bei jungen Pferden bis 2,5 Jahren wird eine jährliche Kontrolle empfohlen, um Fehlstellungen der Zähne frühzeitig erkennen und behandeln zu können.

Im Alter von 2,5 bis 4,5 Jahren ist es ratsam, zweimal im Jahr zu kontrollieren, da sich die Pferde im Zahnwechsel befinden. Danach findet die Kontrolle meist wieder jährlich statt.

Bei alten Pferden kann es unter Umständen sinnvoll sein, wieder häufiger zu überprüfen, ob Zahnprobleme im Anmarsch sind. Bei Pferden über 25 Jahre sind die Zähne teilweise so abgenutzt, dass kaum noch belastbare Kaufläche zur Verfügung steht.

Eine regelmäßige Kontrolle und Korrektur der Zähne spielt eine wichtige Rolle für die Gesundheit des Pferdes! Ein guter Zahnstatus trägt zu einer ausreichenden Futteraufnahme, einer guten Rittigkeit und dem Wohlbefinden des Pferdes bei.

Die Zahnbehandlung

Eine Zahnbehandlung beginnt meist mit dem Spülen des Mauls und einer gründlichen Untersuchung der Maulhöhle. Damit das Pferd ruhig steht, der Stress für das Tier und das Verletzungsrisiko für den Tierarzt reduziert wird, erfolgt in den meisten Fällen eine Sedierung. Mit Hilfe eines Maulgatters wird das Pferdemaul offen gehalten. Zur Positionierung des Pferdekopfes in der richtigen Höhe gibt es ein sogenanntes „Dentalhalfter“.

Die weitere Behandlung richtet sich entsprechend der festgestellten Befunde. Werden beispielsweise Haken an den Backenzähnen festgestellt, können diese mit Handraspeln oder auch elektrischen Schleifgeräten entfernt werden.

Zähneputzen bei Pferden

Anders als bei uns Menschen, ist Zähneputzen bei Pferden nicht nötig. Zum einen würde ein Pferd diese Prozedur wahrscheinlich nicht tolerieren, zum anderen sind die Speichel- und Futterbestandteile bei Pferden nicht so „aggressiv“ gegenüber den Zähnen, da Pferde reine Pflanzenfresser sind. Der Zahnzement, der die Oberfläche eines Pferdezahns bedeckt, kann zudem eine gewisse „Selbstheilung“ betreiben. Ein weiterer Grund, der Zähneputzen bei Pferden nicht nötig macht, ist die Tatsache, dass ständig neue Zahnsubstanz aus dem Zahnfach nachgeschoben und wieder abgerieben wird, was indirekt einer „Zahnerneuerung“ gleich kommt.

Autor dieses Artikels: Isabella

Kommentar eingeben