Selektive Entwurmung & Weidehygiene

18.08.2016 10:03

Die neue Strategie gegen Parasiten beim Pferd

Früher oder später stellt sich jeder Pferdebesitzer die Frage nach der richtigen Entwurmung. Mit dem Kauf eines Pferdes richten sich viele Besitzer nach den Gepflogenheiten des jeweiligen Stalls, und so variieren Häufigkeit und Anzahl der Wurmkuren pro Jahr erheblich. Meistens tun sich die Einsteller zusammen und sprechen sich ab, ob und wie entwurmt werden soll. Häufig werden die Präparate gleich für alle zusammen besorgt, was es zum Teil kostengünstiger macht. Vorausgesetzt, es wird überhaupt entwurmt und man wird nicht angeguckt, als würde man spanisch sprechen…aber das ist ein anderes Thema!) Auch der richtige Zeitpunkt wird in Frage gestellt und hilfesuchend bleibt oft nur der verlässliche Rat des Tierarztes… Wir beschäftigen uns deshalb mit neuen Strategien gegenüber der althergebrachter, routinemäßiger Gabe 4 Mal im Jahr.

Seit Jahrzehnten ist es gängig, das Pferd zumeist 4 Mal im Jahr zu entwurmen. Je nach Absprache werden unterschiedliche Wurmkuren empfohlen, u.a. passend zur Haltung des Pferdes. Man hat zumindest das Gefühl, man bewahrt sein Pferd vor schlimmeren Erkrankungen, wie z. B. Magendasseln und hofft, die richtige Kur zum richtigen Zeitpunkt gegeben zu haben. Vor einiger Zeit erfolgte dann ein großes Umdenken in der Pferdewelt. Unnötige Entwurmungen sowie die Entstehung von Wurmresistenzen sollten zukünftig vermieden werden! Forschung und Entwicklung neuer Antiparasitika sind nicht geplant, und so entstand die Alternative zur gängigen Gabe in Form der selektiven, oder auch bezeichnet als zeigemäße, Entwurmung.

Entwurmung beim Pferd

Können Würmer/ Endoparasiten meinem Pferd schaden?

Hier sind sich zumindest alle einig, sie können! Auf Dauer können sie den Darm der Pferde oder auch andere Organe schädigen. Über den Kot der Pferde werden die Eier ausgeschieden, je nach Parasitenart werden verschiedene Larvenstadien durchlebt, bis sich der adulte Wurm entwickelt. Mit der Grasaufnahme werden die Eier dann aufgenommen. Die Symptome reichen vom stumpfen Fell, Juckreiz an der Schweifrübe, Appetitlosigkeit und Abmagerung bis hin zu Durchfall und Koliken. Zum Beispiel können Lungenwürmer Husten und Nasenausfluss auslösen, zusammen mit dem Leberegel sind das jedoch seltene Parasitenarten und sollen hier nicht weiter vertieft werden.

Wenn man sich mit diesem Vorhaben etwas auseinandersetzt, wird schnell klar, dass sehr viele Vorteile ganz klar dafür sprechen:

  • Keine unnötige chemische Belastung für unsere Pferde, wenn diese nicht zwingend notwendig
  • Keine Resistenzbildung und mit ihr die Gefahr, das eigene Pferd im schlimmsten Fall nicht mehr ausreichend behandeln zu können
  • Kein unnötiges Eingreifen und ggf. Schwächung des Immunsystems

Überwiegen diese genannten Aspekte, so nimmt auch jeder Pferdeliebhaber das „Mehr“ an Arbeit auf sich, die eine zeitgemäße, individuelle Entwurmung mit sich bringt. So werden die Proben eingeschickt und entsprechend untersucht, zudem sind Kontrolluntersuchungen nötig. Bei Interesse findet Ihr weitere Informationen unter folgendem Link: http://www.wurmbekampfung.eu

Also ein klares Pro für die selektive Entwurmung?

Leider gibt es auch hier einige Argumente, die es zu klären gilt…Schaut man sich beispielsweise die Gruppe auf der Weide an, so wird schnell klar, dass Erfolg oder Nicht-Erfolg stark mit einem funktionierenden Stallmanagement zusammenhängen. Die Wurmeier halten sich ewig auf der Weide, selbst eine noch so akribisch durchgeführte Weidehygiene (Abäppeln) lässt dieses nicht komplett verhindern. So lautet die Empfehlung, die ganze Gruppe untersuchen zu lassen. In dieser Zeit dürfen die Weiden bzw. Paddocks nicht getauscht und keine neuen Pferde in die Gruppe eingeführt werden. Bei der selektiven Entwurmung werden die Kotproben allerdings nur auf die Eier hin untersucht, diese kann somit negativ ausfallen, obwohl sich lebendige Würmer im Kot befinden! Zudem wurde uns von einem Fall berichtet, bei dem 10 Kotproben eines Pferdes ohne Eier waren und die 11. mit. Im Gegensatz dazu könnte man jetzt argumentieren, dass bei der gängigen Methode vielleicht auch 10 Mal zu viel oder umsonst entwurmt wurde…Schwieriges Thema…

Wie ist Eure Meinung? Für welche Entwurmungsform habt Ihr Euch entscheiden? Was gilt es noch zu beachten? Wir freuen uns auf Eure Erfahrungen und wünschen Euch und Euren Pferden alles Gute!

Autor dieses Artikels: Stephanie

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