Equines Cushing Syndrom (ECS) beim Pferd

13.01.2020 15:06

Das Equine Cushing Syndrom ist eine Erkrankung, bei der eine Störung des Hormonhaushaltes zu einer Entgleisung von verschiedenen Stoffwechselvorgängen führt.

Pony mit langem, lockigem Fell
Pferde mit Cushing haben häufig ein sehr langes Haarkleid und Probleme beim Fellwechsel.

Was ist Cushing?

Das Equine Cushing Syndrom (ECS) wird im Englischen Equine Cushing Disease (ECD) genannt. Im medizinischen Bereich ist auch der Begriff Pituitary Pars Intermedia Dysfunktion (PPID) geläufig. Der Name der Krankheit geht auf den US-amerikanischen Mediziner Harvey Williams Cushing zurück.

Das Equine Cushing Syndrom bei Pferden wird meist durch einen gutartigen Tumor (Adenom) im mittleren Bereich (Pars intermedia) der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) ausgelöst. Dies führt zu einer übermäßigen Ausschüttung des Hormons ACTH (Adrenocortikotropes Hormon), welches zu einer Vergrößerung (Hypertrophie) der Nebennierenrinde führt. Dies hat außerdem zur Folge, dass die Nebennierenrinde zu einer vermehrten Bildung des Hormons Cortisol stimuliert wird.

Ist Cortisol in ausreichenden Mengen vorhanden, wird bei einem gesunden Organismus über einen sogenannten negativen Feedbackmechanismus der Hypophyse das Signal gegeben, die Ausschüttung von ACTH zu reduzieren. Bei Pferden mit Cushing ist dieser Vorgang jedoch gestört und es wird weiter ACTH und somit auch Cortisol im Überschuss gebildet.

In den meisten Fällen sind ältere Pferde betroffen, doch es können auch junge Pferde am Equinen Cushing Syndrom erkranken.

Das Equine Cushing Syndrom kann auch durch ein Adenom im Bereich der Nebennierenrinde hervorgerufen werden. Das sogenannte adrenale / primäre Cushing Syndrom tritt bei Pferden wohl aber eher selten auf.

Die häufigste Form des Cushing Syndroms bei Pferden ist wohl das oben beschriebene hypophysäre / sekundäre Cushing Syndrom. Jedoch kann auch die übermäßige Gabe von Medikamenten die Glukokortikoide enthalten, für die Entstehung von Cushing-Symptomen bei Pferden verantwortlich sein. Auch Chronischer Stress, welcher auch in Verbindung mit anderen Erkrankungen auftreten kann, wird für eine erhöhte Ausschüttung von Cortisol und anderen Stresshormonen verantwortlich gemacht und kann zu ähnlichen Symptomen wie beim Cushing führen (Pseudo-Cushing).

Die weitere Erforschung des Equinen Cushing Syndroms ist derzeit noch nicht abgeschlossen. Beispielsweise ist die Frage offen, was überhaupt erst zur Entstehung des Adenoms im Bereich der Hirnanhangsdrüse des Pferdes führt.

Welche Symptome zeigt ein Pferd mit Cushing?

Cortisol nimmt im Körper unter anderem Einfluss auf den Glukosestoffwechsel, das Immunsystem, das Herz-Kreislauf-System, den Wasser- und Salzhaushalt, sowie auf den Fett- und Proteinstoffwechsel. Bei einer erhöhten Ausschüttung dieses Hormons, geraten daher viele Prozesse im Organismus durcheinander.

Beim Equinen Cushing Syndrom sind neben dem Cortisol noch andere Hormone und deren Vorstufen beteiligt. Die Störung des Hormonhaushaltes führt daher zur Entgleisung von verschiedenen Stoffwechselvorgängen und kann unter anderem zum Auftreten von beispielsweise folgenden Symptomen führen:

Hirsutismus

Viele Pferde mit Cushing entwickeln ein sehr langes, dickes und teilweise auch gelocktes Haarkleid. Auch der Fellwechsel ist gestört, sodass die Tiere im Sommer sehr schnell ins Schwitzen geraten können (Hyperhidrose).

Zu Beginn sind die ersten langen Haare häufig nur im Bereich des Unterkiefers, der Ganaschen und am Unterbauch zu finden. Erst später entwickelt sich das überlange Fell am ganzen Körper.

Manche Pferde besitzen gleichzeitig einige komplett haarlose Körperstellen (Alopezie).

Polyurie / Polydipsie

Häufig trinken Pferde mit Cushing deutliche mehr Wasser. Die gesteigerte Wasseraufnahme (Polydipsie) wird durch den vermehrten Harnabsatz (Polyurie) hervorgerufen.

Fettumverteilung

Durch die Umverteilung des Körperfettes können Pferde mit Cushing kleine Fettschwämmchen über den Augen und deutliche Fettdepots am Hals entwickeln. Typisch ist auch die Ausbildung eines Hängebauches.

Hufrehe

Durch die Entgleisung des Zuckerstoffwechsels ist Hufrehe eine häufig auftretende Begleiterkrankung bei Pferden mit Cushing.

Bei Pferden mit Hufrehe sollte daher Cushing als Ursache mit in Betracht gezogen und gegebenenfalls ein entsprechender Test durchgeführt werden.

Hautekzeme

Pferde mit Cushing können vermehrt zu Hautproblemen, wie beispielsweise Ekzemen oder Hautpilz neigen.

Weitere mögliche Symptome bei Pferden mit Cushing können auch Apathie, Muskelschwund oder die Entstehung von Ödemen und Abszessen sein. Die Pferde ermüden zudem bei körperlicher Belastung oft schneller. Die Abheilung von Wunden und Narben kann verzögert sein.

Wie wird Cushing beim Pferd behandelt?

Das Equine Cushing Syndrom beim Pferd gilt derzeit noch als nicht heilbar. Eine medikamentöse Behandlung des Pferdes kann den Verlauf der Erkrankung jedoch positiv beeinflussen.

Bevor die Behandlung des Pferdes beginnt, kann für eine genaue Diagnose des Equinen Cushing Syndroms beispielsweise ein Bluttest durchgeführt werden. Ist der ACTH-Wert im Blut des Pferdes deutlich erhöht, kann dies auf Cushing hindeuten. Der Wert dieses Hormons unterliegt jedoch einigen Schwankungen, sodass der Tierarzt teilweise mehrere Blutproben entnimmt.

Ein anderes Verfahren zur Bestimmung von Cushing bei Pferden ist der sogenannte Dexamethason-Hemmtest. Hierbei erhält das Pferd ein künstliches Glukokortikoid (Dexamethason) verabreicht. Dies sollte normalerweise dazu führen, dass die körpereigene Produktion von Cortisol reduziert wird. Bei Pferden mit Cushing bleibt dieser Effekt jedoch aus und der Cortisolspiegel im Blut bleibt erhöht.

Neben der medikamentösen Behandlung des Cushing-Pferdes, werden meist begleitend dazu ein spezieller Fütterungsplan und ein Bewegungsprogramm aufgestellt. Bei vielen Pferde mit Cushing können sich eine stärkereduzierte Fütterung mit einem hohen Rohfaseranteil, sowie eine zusätzliche Eiweißversorgung positiv auswirken.

Wie können Pferde mit Cushing unterstützt werden?

Neben der medikamentösen Behandlung, der angepassten Fütterung und dem Bewegungsprogramm, gibt es einige Punkte die im Bereich Stallmanagement als unterstützende Maßnahmen für Cushing-Pferde getroffen werden können. Dazu zählen beispielsweise Folgende:

  • Da der Stoffwechsel des Pferdes bereits sehr belastet ist, sollte weiterer Stress nach Möglichkeit vermieden werden (Tagesroutine)
  • Schwitzt das Pferd durch den ausbleibenden Fellwechsel und das lange Haarkleid sehr stark, kann das Scheren des Fells sinnvoll sein
  • Da Hufrehe eine Begleiterscheinung bei Cushing sein kann, ist eine regelmäßige Hufbearbeitung sehr wichtig, um das Risiko dafür zu reduzieren
  • Regelmäßige Fellpflege kann das Risiko für das Entstehen von Hauterkrankungen reduzieren

Hinweis: Dieser Beitrag stellt lediglich eine kleine Übersicht über die Thematik dar. Die hier bereitgestellten Informationen ersetzen nicht die Beratung und Behandlung des Pferdes durch einen Tierarzt! Dieser Text wurde nach bestem Wissen und Gewissen erstellt, erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und alle Angaben werden ohne Gewähr gemacht.

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Autor dieses Artikels: Isabella

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