Der Einfluss von Licht auf die Pferdegesundheit

23.01.2019 12:53

Licht hat auch bei Pferden einen direkten Einfluss auf den Körper. Die Beleuchtungsstärke im Stall oder der Reithalle spielt deswegen eine wichtige Rolle für das Wohlbefinden und die Leistungsbereitschaft. Sogar aus therapeutischer Sicht kann Licht, bzw. die verschiedenen Lichtfarben, nützlich sein.

Pferd in der Sonne

Das richtige Lichtsystem

In den „Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltungen unter Tierschutzgesichtspunkten“ vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, wir als Richtwert für die Beleuchtungsstärke im Pferdestall mindestens 80 Lux über mindestens 8 Stunden täglich festgesetzt.

In anderen Quellen wird sogar 150 bis 200 Lux als Minimum für die Beleuchtungsstärke im Stall angegeben.

Für Reithallen ist eine noch höhere Beleuchtungsstärke empfehlenswert. Beim alltäglichen Training sollte diese bei 200 bis 300 Lux liegen. Für Springreiten sind mindestens 300 Lux, für den Wettbewerbsbetrieb sogar 400 bis 500 Lux empfohlen.

Eine ausreichende Beleuchtung im Stall oder der Reithalle ist in vielerlei Punkten wichtig. Jedes Pferd hat das Bedürfnis nach Sozialkontakt zu Artgenossen. Ist dies nicht möglich, ist zumindest der Sichtkontakt zu erfüllen. Bei Isolation kann dies die Langeweile fördern und zu Verhaltensstörungen führen.

In der Reithalle wird durch eine gute Lichtplanung zudem vermieden, dass sich Schatten und Lichtflecken bilden, vor denen besonders junge Pferde sich schnell erschrecken. Pferde können zwar in der Dämmerung besser sehen als wir Menschen, brauchen jedoch länger um sich auf den Wechsel von Dunkelheit und Helligkeit einzustellen. Schattenwurf in der Reithalle erhöht dadurch das Risiko, dass die Pferde stolpern, weil sie sich nicht so schnell an die veränderten Lichtverhältnisse anpassen können.

Eine Lichtplanung muss immer individuell erfolgen. Je nach Raumaufteilung oder Nutzungsart des Gebäudes oder Reitplatzes, sind unterschiedliche Lichtkonzepte sinnvoll.

Bei einem guten Lichtsystem im Stall spielt jedoch nicht nur die Wahl der richtigen Lampen eine Rolle, sondern auch Größe, Anzahl und Platzierung von Fenstern. Künstliches Licht kann das natürliche Tageslicht nicht vollständig ersetzen, da es nicht das gesamte Farbspektrum enthält. Deswegen sollte auch durch tägliche Bewegung unter freiem Himmel dafür gesorgt werden, dass die Pferde viel natürlichem Licht ausgesetzt sind.

Einfluss von Licht auf den Körper

Licht spielt eine wichtige Rolle für den Organismus. Es nimmt direkten Einfluss auf die Melatonin-Bildung. Melatonin wird umgangssprachlich auch „Schlafhormon genannt. Bei Dunkelheit wird vermehrt Melatonin gebildet. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass eine gute Beleuchtung im Stall dazu führt, dass die Pferde allgemein wacher und aktiver sind.

Genügend Licht ist zudem wichtig, um die sogenannte „Winterdepression“ zu verhindern. Ähnlich wie wir Menschen, sind auch Pferde vom Licht abhängig und neigen bei mangelnder Lichtzufuhr zu depressionsähnlichen Zuständen. Sie kommen beim Reiten schlechter in Gang und werden allgemein etwas träger. Dies ist eine natürliche Reaktion des Körpers. Eine kürzere Tageslichtlänge im Winter lässt den Organismus herunterfahren, um Energie zu sparen, welche für die Aufrechterhaltung der Körpertemperatur genutzt werden kann.

Bei Stuten hat das Licht Einfluss auf die Fruchtbarkeit. Durch mangelnde Lichtzufuhr im Winter, werden Stuten seltener oder gar nicht rossig. Mit dem richtigen Lichtmanagement lässt sich daher Einfluss auf den Sexualzyklus der Stute nehmen und zum Beispiel der Zeitpunkt der ersten Rosse im Frühjahr vorverlegen.

Auch der Fellwechsel wird vom Licht gesteuert. Steht der Winter vor der Tür, hat weniger die Kälte, sondern mehr die Tageslichtlänge einen Einfluss auf das Zulegen des Winterfells. Durch die nun längeren Dunkelphasen ist der Melatoninspiegel im Körper im Tagesdurchschnitt höher als im Sommer, bei vielen Sonnenstunden. Dem Organismus wird mitgeteilt, dass der Winter vor der Tür steht und das Pferd beginnt mit dem Schieben des Winterfells. Das Licht steuert somit den Startpunkt des Fellwechsels. Die Temperatur hingegen soll dafür einen Einfluss auf die Geschwindigkeit des Fellwechsels und die Dichte des Haarkleides haben.

Für die Vitamin-D-Synthese im Organismus ist die UV-B-Strahlung von Sonnenlicht unverzichtbar. Vitamin D ist im Körper wiederum am Aufbau von Knochen und Zähnen beteiligt, unterstützt das Immunsystem und spielt eine Rolle bei der Stressverarbeitung.

Sind Pferde lange intensiver Sonnenstrahlung ausgesetzt, können sie jedoch einen Sonnenbrand bekommen. Besonders empfindlich gegenüber Sonne sind beim Pferd schwach pigmentierten Hautareale mit geringer Haardichte. Dazu gehören vor allem die Bereiche rund um die Nüstern und um die Augenpartie, sowie auf der Stirn.

Farbtherapie

Bei der Farbtherapie steht, wie der Name schon vermuten lässt, nicht die Lichtintensität, sondern die Farbwahl im Vordergrund. Hierbei ist es sogar egal, ob das Pferd die Lichtfarbe sieht. Es geht vielmehr darum, dass die Farbschwingung auf die Schwingung der Körperzellen wirken soll. Jeder Farbe wird dabei eine unterschiedliche Wirkung auf den Pferdekörper nachgesagt. Hier einige Beispiele:

Rot: Diese Farbe steht für Stärke / Kraft und Mut. Die Farbschwingung von rotem Licht soll aktivierend, wärmend, durchblutungsfördernd und kreislaufanregend wirken. Sie wird deshalb zur energetischen Behandlung bei Energiemangel eingesetzt.

Blau: Diese Farbe steht für Ruhe / Stille. Die Farbschwingung von blauem Licht soll allgemein beruhigend, kühlend und schmerzstillend wirken.

Grün: Diese Farbe steht für Balance und Ausgeglichenheit. Die Farbschwingung von grünem Licht soll ausgleichend, harmonisierend und kräftigend wirken.

Pferd unter einem Pferdesolarium
Besonders im Winter ist die Nutzung des Pferdesolariums vor dem Training sehr beliebt.

Solarium für Pferde

Eine mittlerweile häufig angewendete Form der „Lichttherapie“ findet beim Pferdesolarium ihre Anwendung. Das Solarium wird jedoch nicht zum Bräunen der Haut eingesetzt, sondern soll z.B. die Muskulatur des Pferdes vor dem Training aufwärmen. Es wird kurz-, mittel- und langwelliges Infrarotlicht erzeugt, welche unterschiedlich tief ins Gewebe eindringen.

Der Einsatz des Pferdesolariums soll verkrampfte Muskeln entspannen, die Durchblutung fördern, den Stoffwechsel anregen und den Lymphfluss verbessern.

Sehsinn des Pferdes

Pferde sind in der Lage kurz- und mittelwelliges Licht zu verarbeiten. Für die Verarbeitung von langwelligem Licht fehlen ihnen die entsprechenden Zapfen auf der Netzhaut. Aus diesem Grund können Pferde die Farbe Rot nicht sehen. Die Farbe Blau können Pferde am Besten erkennen.

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Autor dieses Artikels: Isabella

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