Interview: Tierärztin Lisa Butterweck über die ganzheitliche Behandlung eines Ekzemers

In der Alternativmedizin, welche ihren Ursprung bereits im Mittelalter hatte, wird der Mensch als Ganzes betrachtet und deshalb auch ganzheitlich behandelt. Aber was heißt das, auch in Bezug auf die Behandlung eines Sommerekzems bzw. des Ekzemers?. Die Erfahrungen und Kenntnisse berufen sich darauf, dass im Körper alles miteinander verbunden ist und ein ständiger Austausch stattfindet. Kommt es also zu Erkrankungen oder Dysregulationen, versucht der Körper sie an anderer Stelle zu kompensieren. Der Begriff Integrative Medizin wird heute von vielen Wissenschaftlern bevorzugt, das bedeutet, dass konventionelle (Schulmedizin) und alternative Methoden kombiniert werden und sich im besten Falle ergänzen. Die Vielfalt (Homöopathie, Akupunktur, Pflanzenheilkunde usw.) der unterschiedlichen Ansätze und Behandlungskonzepte haben auch die Tierwelt längst erreicht. So ist beispielsweise der sogenannte Aderlass, ein seit der Antike bekanntes Heilverfahren, noch heute in den Köpfen besagter Pferdemenschen tief verankert. Tierärztin Lisa Butterweck hilft uns nun im Interview dabei, die Ansätze der ganzheitlichen Behandlung auch auf Ekzemer zu übertragen, die ansonsten jedes Jahr auf’s Neue an den Sommerekzem Symptomen zu leiden haben.

Welche Faktoren können eine Überreaktion des Immunsystems begünstigen?

Das allergische Sommerekzem - eine überschießende Immunreaktion, in diesem Fall in Form einer Allergie mit entsprechender Hautsymptomatik einhergehend.

Ernährungsspezialisten weisen immer wieder auf die richtige Ernährung für Ekzemer hin. Eine bedarfsgerechte Fütterung wird empfohlen. Diese beinhaltet ggf. eine Beschränkung der Weidezeit, angepasste Mengen in Bezug auf Bewegung des Tieres und eine ausreichende Versorgung mit allen notwendigen Vitaminen,- Mineralien, -und Spurenelementen. Das wichtigste Organ für ein intaktes Immunsystem ist der Darm. Da die Fütterung hier sozusagen direkt einwirken kann, ist eine Kontrolle und eine mögliche Futterumstellung zumindest ein weiterer Punkt in der ganzheitlichen Betrachtung bei der Behandlung des Sommerekzems und sollte zusätzlich zur symptomatischen Behandlung in Betracht gezogen werden.

Experten raten zu einer Vermeidung von

  • silierten Futtermitteln (Heulage)
  • langen Raufutterpausen
  • große Kraftfuttergaben
  • Kraftfutter mit Strukturanteil
  • Fütterung von zucker-und pektinhaltigen Futtermitteln wie z.B. Karotten, Äpfeln, Bananen, Leckerlis und Brot
  • Bei Importpferden: Futtermittel, die nicht denen ihrer Heimatländer entsprechen

Literaturquelle: Zivilisationskrankheiten des Pferdes- Dr.rer.nat.Christina Fritz

Behandlung Sommerekzem Pferdebesitzer und Pferd

Das Interview mit Tierärztin Lisa Butterweck

Frau Dr. Butterweck: Viele besorgte Pferdebesitzer möchten alles tun, um ihrem Pferd so schnell, wie nur möglich, zu helfen. Sie möchten alle Erkenntnisse, die zu einem Erfolg beitragen, berücksichtigen. Aber jetzt aus lauter Verzweiflung alles in das Immunsystem reinbuttern, was geht, ist keine gute Idee, da es sich ja in diesem Fall schon um eine überschießende Immunreaktion handelt, oder?

Das ist richtig. Da es sich im Falle des Sommerekzems um eine allergische Reaktion handelt, macht es keinen Sinn dem Pferd viele unterschiedliche Zusatzfuttermittel zu verabreichen. Eine ausreichende Versorgung mit dem Spurenelement Zink ist für das Immunsystem allerdings sehr wichtig. Diesbezüglich ist eine Blutuntersuchung auch sinnvoll. Die Aufgabe des Darms in diesem Zusammenhang ist die Aufnahme des Zinks durch das Darmepithel.

Wie kann man den Stoffwechsel unserer Pferde unterstützen? Gibt es so etwas wie die vielumschriebenen Probiotika auch für den Darm unserer Pferde?

Ja es gibt Probiotika für Pferde, z.B. die Hefe Saccharomyces cerevisiae. Durch dessen Sauerstoffverbrauch schafft sie ein ungünstiges Milieu für aerobe Bakterien. Die anaerobe Flora wird gefördert und diese erhöht die Nährstoffverdaulichkeit (v.a. Rohfaser).

Experten der Naturheilkunde sprechen häufig von einer sogenannten KPU, welche oftmals bei Pferden, die an einem Sommerekzem erkrankt sind, auftritt. Viele vermuten einen kausalen Zusammenhang. Können Sie uns das kurz erklären?

Es handelt sich um einen angeblichen Zink- und Vitamin B6-Mangel, der durch einen biochemischen Vorgang des Pyrrols entsteht. Dieser soll erblich bedingt sein. Das ist allerdings nicht bewiesen und die detaillierte Beschreibung würde hier zu weit führen. Meiner Ansicht nach steht diese Erkrankung in keinem Zusammenhang mit dem Sommerekzem.

Des Weiteren hört man immer wieder von der Entgiftungsfunktion der Leber und der Niere. Sollten unsere Pferde, die an einem allergischen Sommerekzem erkrankt sind, nun alle entgiftet werden?

Ein Pferd, das unter einem Sommerekzem leidet, ansonsten aber völlig gesund ist, muss nicht zwangsläufig entgiftet werden.

Vielen Dank an Frau Dr. Butterweck für das Interview!

Zu den Haltungsbedingungen, mögen sie auch artgerecht und Ihr Vierbeiner von Ihnen liebevoll umsorgt sein, möchten wir zusätzlich erwähnen, dass ein Pferd unter Stress leiden kann. Häufiger Stallwechsel, Turnierstress, Machtkämpfe in der Gruppe genauso wie das Fehlen der nötigen Sozialkontakte, können Stress auslösen, und Erkrankungen aller Art heilen bekanntlich besser, wenn das Tier zufrieden und gelassen ist.

In diesem Sinne wäre ein individuell abgestimmtes Behandlungskonzept wünschenswert- das Beste aus allen Fachrichtungen vereint-zum Wohle des Pferdes.

Weiterführende Informationen zum Sommerekzem: