Behandlung & Pflege des Sommerekzems bei Pferden

Tipps & Erfahrungen unserer Tierärztin Lisa Butterweck: so behandeln und pflegen Sie Pferde mit Sommerekzem (Culicoides hypersensitivity, Sweet itch)

Das allergische Sommerekzem ist eine in der warmen Jahreszeit auftretende und jährlich wiederkehrende Dermatose (Hauterkrankung) bei Pferden, die auf eine Sensibilisierung durch Insekten (v.a. Gnitzen) zurückgeführt werden kann. Eine vollständige und allgemeingültige Behandlung & Pflege gibt es nicht, da jedes Pferd anders auf die verschiedenen Pflegemittel anspricht, unterschiedlich starke Symptome zeigt und anders auf die verschiedenen Therapieansätze reagiert. Es gibt aber elementare Bestandteile der Pflege eines Ekzemers und seiner vorherrschenden Symptome: schuppige Haut und Juckreiz, vor allem an Schweifrübe und Mähnenkamm. Diese Leiden sollten Sie auf jeden Fall sorgsam behandeln und die entsprechenden Stellen pflegen, um den Juckreiz zu lindern. So reduzieren Sie nicht nur das Risiko für Sekundärinfektionen, sondern auch das Leiden des Ekzemers. Wenn Sie die Tipps der Tierärztin zum Umgang mit Ekzemern beachten, sollte Ihr Pferd trotz Allergie ein größtenteils glückliches Leben führen können.

Hauptbestandteile der Sommerekzem Behandlung

Ein Stich der Culicoides Mücken genügt und die allergische Reaktion von Ekzemern beginnt erneut - Sommer für Sommer. Der starke Juckreiz (ca. ab April bis Oktober) an Mähne, Schweifrübe und Bauchnaht ist das auffälligste Symptom und muss auf jeden Fall behandelt werden, auch um bakterielle Sekundärinfektionen zu verhindern. Denn das Pferd scheuert und kratzt sich häufig so intensiv, dass offene und blutende Wunden, Verkurstungen und Schuppenbildiung entstehen. In der Regel verschwindet die Symptomatik im Winter vollständig. Es handelt sich dabei um eine Kontaktallergie vom Typ IV und Typ I. Hierbei ist der Speichel der weiblichen Insekten verantwortlich für die Sensibilisierung bzw. das darin enthaltene Eiweiß. Die Diagnose Sommerekzem fällt meist aufgrund des klinischen Bildes, kann aber durch einen Allergietest / Bluttest bestätigt werden.

Die Sommerekzem Behandlung umfasst ein weites Spektrum. Es gibt 2 wichtige Ziele

  • Dem Kontakt mit den Insekten vorbeugen (z.B. mit Ekzemerdecken)
  • Die Linderung der klinischen Symptomatik (Juckreiz, Unruhe, offene Wunden)

Denn das Sommerekzem beim Pferd an sich bzw. die eigentliche Ursache, kann nicht einfach so behandelt werden. Viel mehr zielt die Behandlung darauf ab, das Auslösen der Symptome zu verhindern und den Juckreiz zu lindern, so wie die Regeneration der Haut und des Fells zu unterstützen. Denn tut man das nicht, kratzt der Ekzemer sich immer weiter, bis offene Wunden entstehen und die Haut immer wunder wird. Dies wiederum begünstigt Sekundärinfektionen, da eine angegriffene und teilweise offene Haut Tür und Tor für weitere Erreger öffnet. Durch die sorgsame Fellpflege und Behandlung der Symptomatik, durchbricht man diesen Teufelskreis und kräftigt Fell und Immunsystem des Pferdes nachhaltig. 

Den Kontakt zwischen Insekten & Ekzemer verhindern

Eine Therapiemöglichkeit zielt auf das Fernhalten der Insekten vom betroffenen Ekzemer ab, um zu verhindern, dass die allergische Reaktion und der damit einhergehende Juckreiz ausgelöst werden. Das ist zum Beispiel mit Standortveränderung, Verlegung der Weidezeit (Aufstallen der Pferde in der Morgen- und Abenddämmerung) oder die tägliche Behandlung mit Repellentien (Fliegenspray) möglich.

Allerdings kommt das nur für Pferde in Frage, deren Symptomatik geringgradig ist. Außerdem empfiehtl es sich zusätzliches, folgende Dinge und Orte zu meiden:

  • Gewässer, Flüsse & Waldränder (Hotspot für Mücken)
  • Ausritt und Offenstallhaltung zur Stoßzeit für Mücken (Morgen -und Abenddämmerung)
  • Misthaufen, da ebenfalls beliebt bei Mücken

Ebenso ist die Behandlung mit dem Wirkstoff Deltamethrin (wird als Spot on alle 10 bis 14 Tage angewendet) oder Permethrin (Auftragen auf das Fell alle 14 Tage) möglich. Bei diesen Wirkstoffen handelt es sich ebenfalls um Repellentien, welche allerdings nicht täglich aufgetragen werden müssen. Die sogenannten Ekzemerdecken kommen auch vielfach zum Einsatz. Sie decken das Pferd meist komplett ein, so dass die Mücke keine Möglichkeit mehr hat zu stechen und damit ihren juckreizauslösenden Speichel zu übertragen. Bei einigen Pferden ist die Pilzimpfung (2x im Abstand von 14 Tagen) hilfreich. Der genaue Wirkmechanismus im Bezug auf das Sommerekzem ist allerdings nicht bekannt.

noJuck noSchupp Hilfe beim Sommerekzem

Pflege der klinischen Symptomatik (Juckreiz, aufgekratzte Haut)

Glucocorticoide (Cortison) wirken symptomatisch, lindern den Juckzreiz betroffener Pferde jedoch sehr schnell. Am besten wird mit einer parenteralen Gabe (z.B. intravenöse oder -muskuläre Injektion von Betamethason oder Methylprednisolon) begonnen. Bei Wirkungseintritt kann auf eine orale Gabe umgestellt werden (z.B. Prednisolon).

Therapiebegleitend hat sich die Pflege der gereizten und sensiblen Haut und des Fells bewährt. noJuck noSchupp 2-Phasen-Pflege-Komplex für Pferde unterstützt die angegriffene Haut bei der Regeneration und hilft bei der Vorbeugung gegen weitere Irritationen und Infektionen durch Wundscheuern. Es pflegt intensiv und lindert den Juckreiz. Bei starker Verschmutzung, Krustenbildung und Verklebung der Haare muss zunächst eine Säuberung inklusive der Entfernung von Haaren vorgenommen werden. Hierfür wird besser physiologische Kochsalzlösung als Wasser verwendet. Für akute und nässende Stellen sind ölige Zubereitungen von Zinkoxid das Mittel der Wahl, bei bakterieller Beteiligung desinfizierende Salben oder Emulsionen. Eine lokale Behandlung richtet sich nach dem Charakter der entzündlichen Veränderung.

Interview mit Ursula Knutzen - Tipps zur Ekzemer Pflege & Behandlung

Kausale Behandlung des Sommerekzems

Unsere Tierärztin Lisa Butterweck informiert: „Die einzige kausale Behandlungsmöglichkeit ist die Hyposensibilisierung“
Es wird die Ursache, also die Überreaktion des Immunsystems therapiert. Hierfür wird dem Pferd zunächst Blut abgenommen und ein Allergietest durchgeführt. Dafür muss das Pferd mindestens 6 Wochen cortisonfrei sein. Durch den Test wird ermittelt auf welche Insekten (z.B. Gnitzen, Kriebelmücken, Bremsen usw.) das Pferd allergisch reagiert. Mit Hilfe dieser Ergebnisse wird eine Injektionslösung hergestellt, welche die benötigten Allergene beinhaltet. Diese Lösung wird zu Beginn 1x wöchentlich, später alle 2 bis 4 Wochen unter die Haut gespritzt. Das macht der Besitzer nach Anleitung in der Regel selber. Durch die Hyposensibilisierung wird dem Immunsystem eine immer größer werdende Menge des Allergens zugeführt. Das Ziel ist die Gewöhnung an das Allergen, so dass die überschießende Reaktion des Immunsystems verhindert wird. Ein Erfolg der Therapie ist die Verringerung der Symptomatik, in manchen Fällen tritt diese gar nicht mehr auf. Die Therapie muss allerdings lebenslang durchgeführt werden.

Weiterführende Hilfe zu Krankheitsbild und Behandlungen des Sommerekzems: