Schnurrhaare – der 6. Sinn der Katze

28.03.2018 08:13

Die Schnurrhaare einer Katze sind ein wichtiger Bestandteil des Tastsinns. Ihre einzigartige Sensibilität gegenüber kleinsten Luftbewegungen, machen sie für die Katze zu einer optimalen Orientierungshilfe. Was die Schnurrhaare gegenüber den normalen Haaren des Fells so besonders macht, lässt sich über den Aufbau bzw. die Verankerung der Haare erklären.

Katze mit langen Schnurrhaaren
Nur vollständig intakte Schnurrhaare haben einen Nutzen für die Katze.
Aus diesem Grund sollte man sie niemals abschneiden!

Aufbau und Beschaffenheit

Die Schnurrhaare werden in der Fachsprache Vibrissen genannt (lat. vibrissae). Die Vibrissen sind länger, dicker und fester als die normalen Haare des Fells. Zudem sind sie 3x so tief in der Haut verankert und dort in einem speziellen Haarbalg (Follikel) eingebettet. Dieser Follikel besitzt eine blutgefüllte Kapsel (Blutsinus) und viele Nervenenden. Wird das Haar bewegt, wird das Blut in der Kapsel zur Seite gedrückt. Dadurch wird der Reiz verstärkt und über die Nervenenden als elektrischer Impuls an das Gehirn weitergeleitet. Die Reizintensivierung macht es der Katze so möglich, selbst kleinste Bewegungen wahrzunehmen. Durch die einzigartige Funktionsweise der Schnurrhaare, gelten sie daher auch als 6. Sinn der Katze.

Links und rechts der Schnauze befinden sich jeweils 4 übereinander liegende Reihen von Vibrissen. Diese werden auf Grund ihrer Länge auch Makrovibrissen genannt. Pro Seite besitzt eine Katze etwa 12 Stück. Eine Katze ist in der Lage die oberen Vibrissenreihen unabhängig von den unteren zu bewegen. Nager können die einzelnen Tasthaare sogar unabhängig voneinander rhythmisch bewegen und erhöhen beim Abtasten von Gegenständen die Frequenz. Diese Fähigkeit besitzen Katzen nicht.

Zusätzlich zu den Vibrissen neben der Schnauze haben Katzen kurze Mikrovibrissen an der Oberlippe, dem Kinn, über den Augen und an den Vorderläufen.

Die Gesamtanzahl an Vibrissen kann individuell unterschiedlich sein. Es gibt sogar Unterschiede zwischen den einzelnen Rassen. Da auch Vibrissen manchmal ausfallen oder beschädigt werden, sind meist nie alle vollständig sichtbar.

Die Farbe der Schnurrhaare ist fast immer weiß. Bei schwarzen Katzen kann man jedoch manchmal auch schwarze Schnurrhaare entdecken.

Nicht nur Katzen besitzen Vibrissen. Auch andere Säugetiere wie zum Beispiel: Hunde, Nager, Pferde, Robben, Tiger oder Waschbären.

Was haben Schnurrhaare mit dem Schnurren zu tun?

Der Name Schnurrhaare steht nicht in Verbindung mit dem Schnurren der Katze. Es wird vermutet, dass der Begriff im 18. Jahrhundert vom niederdeutschen Wort „snurbaard“ abgeleitet wurde. Darin enthalten sind die Wörter „snurre“ = Schnauze und „baard“ = Bart. Übersetzt bedeutet das Ganze dann etwa „Bart um die Schnauze“.

Orientierung

Die Tasthaare sind für die räumliche Orientierung überlebenswichtig. Mit ihnen können Katze selbst kleinste Luftzüge wahrnehmen und sich auch bei schlechten Sichtverhältnissen problemlos zurechtfinden. Sie überwachen ihre Umwelt und sich nähernde Feinde können so schnell bemerkt werden.

Auch bei der Jagd auf Mäuse sind ihnen die Vibrissen eine Hilfe. Sie können durch die Luftbewegungen genau ausmachen wo und wohin sich etwas bewegt. Außerdem erspüren sie mit den „feinen Antennen“ das pulsierende Blut der Maus um die ideale Stelle für den tödlichen Biss zu finden und merken sofort, ob ihre Beute im Maul noch lebendig ist.

Beim Erkunden ihrer Umgebung können Katzen mit den Schnurrhaaren zudem einschätzen, ob eine schmale Öffnung oder ein Spalt groß genug für sie ist. Die kleinen Räuber verlassen sich also nicht immer nur auf ihre hervorragenden Augen.

Nur vollständig intakte Vibrissen haben einen Nutzen für die Katze. Beschädigte oder abgebrochene Haare sind als „Orientierungsfühler“ unbrauchbar. Die große Anzahl der Vibrissen am Kopf zeigt, wie wichtig sie für die Wahrnehmung von Reizen im empfindlichen Gesichtsbereich sind. Aus diesem Grund sollte man sie auch niemals kürzen oder gar vollständig abschneiden!

Tiger mit langen Vibrissen
Bei diesem Tiger sind die Vibrissen neben der Schnauze, am Kinn und über den Augen gut zu erkennen.

Kommunikation

Auch bei der Kommunikation spielen die Schnurrhaare eine Rolle. Sie sind ein wichtiger Teil der Körpersprache um Gefühlslagen besser darzustellen:

  • Ruhe, Gelassenheit, Entspannung: Seitlich ausgerichtete, kaum aufgefächerte Schnurrhaare
  • Angst, Angriff: Nach hinten gebogene, eng an den Körper anliegende Schnurrhaare
  • Aufmerksamkeit, Aktionsbereitschaft: Nach vorne gerichtete, weit aufgefächerte Schnurrhaare

Verlust der Schnurrhaare

Sollte man ein verlorenes Schnurrhaar finden, ist dies kein Grund zur Sorge. Obwohl Schnurrhaare wesentlich dicker sind und tiefer in der Haut sitzen, können sie trotzdem manchmal ausfallen. Sie wachsen aber genauso nach, wie die normalen Haare des Katzenfells.

Autor dieses Artikels: Isabella

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