Sanfte Pfoten – Scharfe Krallen

27.06.2018 11:34

Katzen gehören zu den „Zehengängern“ und können sich als sogenannte „Schleichjäger“ fast lautlos an ihre Beute heranpirschen. Grund dafür sind nicht nur die weichen Ballen unter den Pfoten, sondern auch die Fähigkeit die Krallen einzuziehen. Warum der Aufbau der Pfoten die Katzen zu so effektiven Jägern macht, soll in diesem Beitrag näher erläutert werden.

Katze hebt ihre Pfote
Eine Katze hat an den Vorderpfoten zusätzlich zum Sohlenballen und den vier Zehenballen noch einen Daumenballen und einen Karpalballen.

Kleine Jäger mit scharfen Krallen

Katzen besitzen an den hinteren Pfoten je vier Krallen. An den Vorderpfoten haben sie zusätzlich eine Daumenkralle, sodass insgesamt je fünf Krallen zur Verfügung stehen. Die Krallen der Vorderpfoten sind stärker gekrümmt. Die Sichelform ermöglicht es der Katze ihre Beute bei der Jagd besser zu packen und erhöht die Griffigkeit beim Klettern.

Im Ruhezustand halten elastische Bänder die Krallen in den Krallenscheiden. Die einzelnen Krallen sind wiederum in der Lederhaut verankert. Sie wird von einer hornbildenden Epidermis überzogen, die die ineinander liegenden Hornkegel produziert, aus der die Krallen bestehen. Ein elastisches Band hält die Kralle in ihrer zurückgezogenen Position. Durch die tiefe Beugesehne kann die Katze die Krallen dann aktiv ausfahren.

Damit die Krallen immer scharf sind, muss die Katze sie regelmäßig wetzen. Dadurch wird die äußere Hornschicht abgesteift (Krallenhülse) und die Kralle dolchartig angespitzt. Zum Wetzen der Krallen benutzen Katzen in der Natur am liebsten Bäume. Wohnungskatzen sollte ein Kratzbaum zur Verfügung stehen, damit die Möbel verschont bleiben. Um die Krallen an den Hinterläufen zu schärfen, benutzen Katzen ihre Zähne.

Pfotenballen

An der Pfotenunterseite befinden sich je Pfote vier kleine Zehenballen und ein großer Sohlenballen. An den Vorderpfoten sitzt jeweils noch ein Daumenballen und etwas weiter oben am Bein ein Karpalballen (auch Handwurzelballen genannt).

Die Ballen (Torus) sind unbehaarte, verdickte Hautareale. Die Epidermis ist verhornt und mit verdickter Unterhaut unterlagert, in der die Schweißdrüsen sitzen. Die Farbe der Ballen kann unterschiedlich ausfallen.

Beim Laufen hat die Pfote eine schlanke Form um den Reibungswiderstand zu verringern und weniger Energie zu verbrauchen. Durch das Laufen auf den Zehenspitzen ist es der Katze möglich, hohe Geschwindigkeiten zu erreichen.

Für abrupte Richtungswechsel und starkes Abbremsen wird die Form der Pfoten breiter. So hat die Katze eine größere Standfläche zur Verfügung und erhöht den Reibungswiderstand, um auch bei hoher Geschwindigkeit einen sicheren Halt zu haben. Außerdem wirkt das Fettpolster in den Ballen als eine Art Stoßdämpfer.

Das Prinzip der Formveränderung wurde sogar für die Entwicklung von Autoreifen aufgegriffen, um Sprit zu sparen und bei einer Gefahrensituation eine gute Bremswirkung zu erzielen.

Der feine Tastsinn

Die Pfotenballen einer Katze sind sehr sensibel. Sie können über spezielle Druckrezeptoren (Mechanorezeptoren), wie z.B. Pacini-Körperchen oder Meissner-Körperchen, die in der Haut sitzen, selbst feine Bodenvibrationen wahrnehmen. So sind sie in der Lage die Bewegungen von Mäusen in ihren Gängen zu „erfühlen“. Die Ballen an den Pfoten sind so die ideale Ergänzung zu den Schnurrhaaren, die ebenfalls ein sensibler Teil des Tastsinns sind.

Das Karpalorgan

Etwa drei Zentimeter über dem Karpalballen entspringen drei bis sechs pigmentlose Sinushaare. Diese sind sehr berührungsempfindlich und mit den Schnurrhaaren (Vibrissen) vergleichbar. Sie dienen als zusätzliche Rezeptorem um Schwingungen wahrzunehmen. Man nennt sie auch Karpalvibrissen. Neben diesen speziellen Haaren sitzen einige Duftdrüsen, deren Sekret beim Klettern verteilt wird. Gemeinsam mit den Duftdrüsen bilden die Karpalvibrissen das Karpalorgan.

Kleine Schweißfüße

Da Katzen nicht am ganzen Körper Schweißdrüsen besitzen, können sie nicht wie wir Menschen schwitzen. Die kleinen Tiger besitzen hauptsächlich zwischen den Zehen- und Sohlenballen Schweißdrüsen. Die Flüssigkeitsabsonderung dient jedoch mehr als Duftbotschaft an Artgenossen, statt der Thermoregulation. Beim Laufen wird so permanent eine Duftbotschaft gelegt. Auch durch das Wetzen der Krallen an Bäumen werden Duftnoten als Markierung gesetzt und so das Revier abgesteckt.

Die Thermoregulation erfolgt bei Katzen über das Hecheln und das Belecken des Fells. Wenn der Speichel verdunstet, werden das Fell und die Haut gekühlt.

Nahaufnahme Katzenpfote mit Krallen
Durch die gebogene Form eignen sich die Krallen der Vorderpfoten ideal zum Festhalten und Zupacken.

Erkrankungen im Pfotenbereich

Besonders bei Freigängern kann es immer mal wieder zu kleinen Verletzungen der Pfote durch spitze Steine oder Äste kommen. Im Winter sind es meist die rissigen Ballen, die der Katze zu schaffen machen. Streusalz auf den Straßen trocknet die Haut aus. Bei manchen Katzen müssen die Pfotenballen dann mit einer speziellen Pflegesalbe eingerieben werden, um die Haut wieder geschmeidig zu machen.

Pododermatitis

Bei der Pododermatitis handelt es sich um eine Entzündung der Zwischenzehenhaut. Sie kann durch verschiedene Dinge ausgelöst werden: Allergien, Bakterien, eingetretene Fremdkörper, Parasiten (Milben) oder eine Pilzinfektion.

Eine Pododermatitis äußert sich durch starken Juckreiz, sodass die betroffene Katze ihre Pfote häufig beleckt und benagt. Die Haut zwischen den Zehen ist gerötet und kann bei ausbleibender Behandlung anschwellen und bluten. Teilweise kann es zum Ausfall von Fell an der betroffenen Stelle kommen.

Die Zwischenzehenentzündung kann an allen vier Pfoten auftreten. In den meisten Fällen sind jedoch nur die Vorderpfoten betroffen.

Pfotenverband

Eine verletzte Pfote gehört in tierärztliche Behandlung. Die Erstversorgung obliegt jedoch meist dem Katzenbesitzer. Für die Fahrt zum Tierarzt kann z.B. eine Verletzung der Ballen oder im Zehenzwischenbereich mit einem Pfotenverband geschützt werden. Folgende Utensilien dafür sollten in einer guten Hausapotheke für Haustiere zu finden sein:

  • Pinzette
  • Desinfektionsmittel
  • Sterile Wundauflage
  • Watte zum Polstern
  • Verband mit Klebestreifen oder Klemmen zum Fixieren (oder selbstklebende Bandage)

Vorgehensweise:

Reinigen sie die Wunde vorsichtig mit sauberem Wasser und entfernen sie vorhandene Fremdkörper (nur wenn möglich!). Lassen sie zu große oder zu tief steckende Fremdkörper lieber vom Tierarzt entfernen!

In die Wunde ragende Haare dürfen mit einer Schere vorsichtig gekürzt werden.

Wenn die Wunde sauber ist, kann diese mit einem geeigneten Mittel desinfiziert werden. Anschließend wird die Wunde mit einer sterilen Wundauflage abgedeckt, damit sie mit der Polster-Watte nicht in Berührung kommt.

Die Watte wird als kleine Streifen zwischen die Zehen gelegt, damit sich diese nicht gegenseitig aufreiben. Danach wird die gesamte Pfote mit einer Schicht Watte umhüllt. Damit die Watte hält, umwickeln sie die Pfote zum Schluss mit einem Verband und fixieren das Ende mit einer Klemme oder einem Streifen Tape. Alternativ kann auch eine selbstklebende Bandage benutzt werden.

Autor dieses Artikels: Isabella

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