Meine Katze hechelt – ist es gefährlich oder harmlos?

25.06.2019 08:26

Katzen hecheln, im Vergleich zu Hunden, sehr selten. Wenn sie es tun, werden viele Katzenbesitzer nervös. Ist die Katze krank? Muss ich sofort mit ihr zum Tierarzt?

In einigen Fällen ist Hecheln bei Katzen kein Anzeichen für ein gesundheitliches Problem, sondern hat ganz einfache Gründe. Ist dies der Fall, beruhigt sich die Atmung nach kurzer Zeit meist wieder und die Katze hört auf zu hecheln.

Hecheln kann jedoch auch ein Hinweis bzw. ein Symptome für eine Erkrankung sein. Daher ist Hecheln bei Katzen nicht grundsätzlich auf die leichte Schulter zu nehmen. Besteht der Verdacht auf eine Erkrankung oder hat die Katze gar richtige Atemnot, muss sofort tierärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden!

Nahaufnahme einer hechelnden Katze

Körperliche Anstrengung

Bei starker körperlicher Anstrengung hängt auch einer Katze sprichwörtlich mal die „Zunge zum Halse heraus“. Nach ausgiebigen Toben oder einem anstrengenden Sprint auf der Jagd nach einer Maus, gerät sie außer Atem. Durch das Hecheln, also der schnelleren Atemfrequenz, wird bei körperliche Anstrengung mehr Sauerstoff ins Blut aufgenommen.

Sobald die Katze sich wieder erholt hat, sollte die Atemfrequenz schnell wieder sinken. Im Ruhezustand sind 20 bis 40 Atemzüge pro Minute normal. Bei Belastung steigt die Zahl der Atemzüge pro Minute um ein vielfaches an.

Sollte die Katze nach nur sehr leichter, körperlicher Belastung bereits anfangen zu hecheln, kann dies jedoch ein Anzeichen für ein gesundheitliches Problem sein! Dies sollte von einem Tierarzt abgeklärt werden!

Besonders übergewichtige Katzen, neigen dazu, schnell „außer Atem“ zu sein. Übergewicht kann jedoch nicht nur zu Kurzatmigkeit führen, sondern kann auch viele weitere gesundheitliche Folgen haben. Hier wäre ein mit dem Tierarzt abgestimmtes Futter- und Bewegungsmanagement ratsam!

Angst / Stress

Auch Angst oder Stress ist eine Form der Belastung für den Körper. Aus diesem Grund hecheln viele Katzen, wenn sie sich in einer unbekannten oder unangenehmen Situation befinden. Diese können beispielsweise folgende sein:

  • Autofahrt
  • Umzug
  • Tierarztbesuch
  • Eingesperrtsein in einer Transportbox
  • Fremde Menschen oder Tiere im Haus
  • Ärger mit einer anderen Katze im Revier (Revierkampf)

Nicht jede Katze reagiert auf diese Situationen gleich. Das Angst- oder Stresslevel ist bei jeder Katze und je nach Situation unterschiedlich hoch.

Durch Angst oder Stress wird der Körper in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt. Muskeln werden vermehrt mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt, um bei Gefahr schneller flüchten oder angreifen zu können. Dies hat nicht nur eine erhöhte Herzschlagfrequenz zur Folge, sondern auch eine erhöhte Atemfrequenz, um genügend Sauerstoff an das Blut abgeben zu können. Dadurch beginnen Katzen zu Hecheln.

Wie auch bei der körperlichen Anstrengung in Form von Bewegung, sollte sich die Atmung der Katze nach kurzer Zeit, wenn der Stress vorüber ist oder die Katze sich an die Situation gewöhnt hat, wieder beruhigen.

Hitze

Katzen haben fast ausschließlich zwischen den Zehen- und Sohlenballen Schweißdrüsen. Diese dienen jedoch weniger der Thermoregulation, sondern viel mehr als Möglichkeit eine Duftbotschaft für Artgenossen beim Laufen zu hinterlassen.

Die Thermoregulation bei Hitze erfolgt bei Katzen einerseits durch das Belecken des Fells. Der Speichel bedeckt danach die Haare und kühlt das Fell ab, wenn er verdunstet. Die zweite Methode zum Herabsetzen der Körpertemperatur ist das Hecheln. Auch hier sorgt die Verdunstung des Speichels auf der Zunge für Kühlung.

Um Katzen bei Hitze zu unterstützen, können Katzenhalter ihren Tieren feuchte Handtücher hinlegen. Diese bieten einen angenehmen Kühleffekt, wenn die Katze sich darauf legt. Wenn die Katze es zulässt, kann mit einem feuchten Tuch das Fell abgewischt und dadurch direkt befeuchtet werden. Zusätzlich sollten immer Schattenplätze und ausreichend frisches Wasser zur Verfügung gestellt werden.

Katze rennt durch den Garten
Beim Spielen und Rennen im Garten kann eine Katze schon mal außer Atem geraten und beginnt zu hecheln.

Geburt

Wenn Katzen Junge zur Welt bringen ist dies immer eine sehr große körperliche Anstrengung. Zusätzlich kommt teilweise auch noch Stress, verursacht durch die Geburtsschmerzen und die unbekannte Situation, dazu. Auch hier beginnen einige Katzenmütter dann zu hecheln, um ihr Blut mit mehr Sauerstoff anzureichern.

Erkrankung

Hecheln kann in einigen Fällen auch ein Symptom für eine Erkrankung sein! Die Atemfrequenz sinkt dann meist nicht nach kurzer Zeit wieder ab, sondern bleibt erhöht. Aus diesem Grund ist es wichtig, die Ursache für das Hecheln immer genau zu ermitteln!

Einige Erkrankungen, bei denen Hecheln als Symptom auftreten kann, sind unter anderem Folgende:

Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose):

Der Überschuss an Schilddrüsenhormonen bringt den Stoffwechsel auf Hochtouren. Mögliche Symptome dafür können sein: Ruhelosigkeit, Heißhunger bei gleichzeitigem Gewichtsverlust, starker Durst, häufiger Urinabsatz, Fellveränderungen, Erbrechen, Durchfall, Aggressivität, Schwäche, Appetitlosigkeit. Der erhöhte Energieumsatz führt zu einer Erhöhung der Körperwärme, was dann wiederum zu Hecheln führen kann.

Herzerkrankungen:

Es gibt viele verschiedene Herzerkrankungen, die manchmal zu Hecheln führen können. Eine dieser Krankheiten ist die Hypertrophe Kardiomyopathie (HCM). Hierbei handelt es sich um eine Herzmuskelerkrankung, bei der sich der Herzmuskel verdickt. Das Herz wird nicht mehr mit ausreichend Blut gefüllt, wodurch zu wenig Blut durch den Körper gepumpt wird. Wasseransammlungen in der Lunge (Lungenödem) und in der Brusthöhle (Thoraxerguss) sind möglich. Katzen mit HCM beginnen meist schon nach geringer Anstrengung zu hecheln (Maulatmung). Weitere Symptome für HCM können sein: Beschleunigte Atmung, Appetitlosigkeit, Apathie, Ohnmachtsanfälle, Atemnot, bläulich verfärbe Schleimhäute.

Bauchfellentzündung (FIP):

Die Feline Infektiöse Peritonitis (FIP) ist eine Viruserkrankung. Katzen die unter dieser Krankheit leiden, hecheln auf Grund von manchmal mit der Infektion einhergehenden Atembeschwerden. Die Symptome sind vielfältig und können je nach Verlauf sehr unterschiedlich ausfallen: Niesen, laufende Nase, Durchfall, aufgeblähter Bauch durch Flüssigkeitsansammlung, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Fieber, Müdigkeit.

Atemwegserkrankungen:

Generell führen Erkrankungen der Atemwege meist zu einer erschwerten oder schmerzhaften Atmung. Dadurch kann es dazu kommen, dass Katzen hecheln. Atemwegserkrankungen sind, wie viele andere Krankheiten, vielseitig und immer ernst zu nehmen!

Hecheln vs. Flehmen

Das Hecheln der Katze ist vom Flehmen zu unterscheiden. Katzen besitzen in der Maulhöhle ein zusätzliches Riechorgan: Das Jacobson´sche Organ. Dieses dient der Analyse von Geruchsstoffen, die über die Zunge aus der Luft oder der Nahrung aufgenommen werden. Beim Flehmen öffnet die Katze das Maul leicht, rümpft die Nase, zieht die Oberlippe hoch und zieht den Maulwinkel nach hinten. So sitzt oder steht sie regungslos da und macht einen leicht abwesenden Eindruck. Es wird angenommen, dass das Jacobson´sche Organ vor allem der Wahrnehmung von Pheromonen dient. Durch intensive Bewegungen mit der Zunge kann die Katze die Geruchswahrnehmung noch verstärken, da die Duftstoffe dadurch besser das Sinnepithel im Jacobson´schen Organ erreichen.

Vorsicht bei Atemnot

Wenn eine Katze hechelt, sollte es, wenn gesundheitliche Probleme nicht ausgeschlossen werden können, immer ein Alarmsignal sein. Steckt eine ernsthafte Erkrankung dahinter, kann dies für die Katze lebensbedrohlich werden. Einige Fragen die geklärt werden sollten sind beispielsweise:

  • Hechelt die Katze häufig?
  • Führen bereits geringste körperliche Anstrengungen zum Hecheln der Katze?
  • Hört die Katze, nachdem eine bestimmte Situation vorbei ist, nach wenigen Minuten wieder auf zu Hecheln oder beliebt die Atemfrequenz erhöht?
  • Treten neben dem Hecheln noch andere Symptome auf, die vielleicht auf eine Erkrankung hindeuten?

Spätestens, wenn das Hecheln zur akuten Atemnot wird, ist ein sofortiger Besuch beim Tierarzt dringend erforderlich!

Achtung: Verschluckte Fremdkörper, ein Insektenstich im Hals oder ein Schockzustand führen teilweise sehr schnell zum Erstickungstod des Tieres!

Bei Atemnot wird die Atmung oft sehr angestrengt ausgeführt. Sie kann sehr schnell und hektisch sein, keuchend, flach oder auch mit starken Pumpbewegungen von Bauch und Brust. Die Zungen- und Schleimhautfarbe wird bei mangelnder Sauerstoffzufuhr bläulich. Teilweise kommt es zu Hustenanfällen oder ungewöhnlichen Atemgeräuschen wie z.B. Pfeifen, Stöhnen oder Röcheln. Die Tiere zeigen in dieser Situation oft Symptome der Angst und reisen die Augen weit auf. Nicht immer ist das Maul bei erhöhter Atemfrequenz oder angestrengter Atmung geöffnet.

Liebe Katzenfreunde: Dieser Artikel stellt lediglich eine kleine Übersicht der Thematik dar. Solltet ihr bei eurem Tier eine abnorme Atmung feststellen oder euch nicht sicher sein, warum die Katze gerade hechelt, keucht oder ähnliches, empfehlen wir euch, die Katze bei einem Tierarzt vorzustellen!
Alles Liebe, Eure Isabella

Autor dieses Artikels: Isabella

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