Die Katzenzunge - ein einzigartiges Werkzeug

27.09.2017 09:28

Von einer Katze abgeschleckt zu werden fühlt sich an, als würde sie einem Schmirgelpapier über die Haut ziehen. Schon daran erkennt man, dass die Katzenzunge sich deutlich von denen anderer Haustiere unterscheidet.

Die Zunge von Katzen ist in ihrem Aufbau und ihrer Funktion einzigartig. Was sie auszeichnet ist jedoch kein überragender Geschmackssinn. Ganz im Gegenteil: Der Geschmackssinn von Katzen ist nicht besonders stark ausgeprägt. Süßes können sie sogar gar nicht schmecken.
Doch was macht die Katzenzunge dann so einzigartig?

Nahaufnahme einer Katzenzunge
Die kleinen Hornzähne der Katzenzunge erfüllen verschiedene Funktionen.

Der spezielle Aufbau der Katzenzunge

Die Zunge einer Katze ist lang und muskulös. Man findet auf ihr jedoch nur sehr wenige Geschmacksknospen: Pilzförmige Papillen findet man lediglich am äußeren Rand und an der Spitze der Zunge, sowie einige tassenförmige Papillen an der Zungenwurzel. Deren Rezeptoren übermitteln die Informationen ans Gehirn.

Katzen können bitter, salzig, sauer und umami schmecken. Umami ist japanisch und bedeutet fleischig, herzhaft, wohlschmeckend. Es ist die 5. Geschmacksrichtung und wird vor allem durch die Aminosäure "Glutaminsäure" hervorgerufen. Typisch für einen Fleischfresser, ist der Geschmackssinn einer Katze in erster Linie darauf ausgerichtet, die Aminosäuren im Fleisch zu erkennen. Auch auf Wasser und chemische Verbindungen, die Stickstoff und Schwefel enthalten, reagieren die Rezeptoren. Süßes hingegen können Katzen, durch ein Gendefekt, gar nicht schmecken. Die Schmackhaftigkeit ihres Futters beurteilen Katzen daher auch sehr stark an Hand des Geruches.

Die gesamte Zungenmitte ist überzogen mit Fadenpapillen. Diese bestehen aus nach hinten gebogenen Hornzähnen und machen die Katzenzunge so rau.

Funktionsweise der Katzenzunge

Die kleinen Hornzähne richten sich leicht auf, wenn die Katze ihre Zunge streckt. Dadurch dienen sie der Katze wie eine Art Raspel als Werkzeug. Beim Fressen sind Katzen so in der Lage, auch kleinste Fleischreste von einem Knochen runter zu schlecken.

Trinkverhalten

Auch das Trinkverhalten unserer Stubentieger ist durch die Beschaffenheit ihrer Zunge geprägt. Die Zunge wird leicht nach hinten gebogen und die Zungenspitze mit schnellen Bewegungen immer wieder ganz leicht auf die Wasseroberfläche gesetzt. Durch die Auf- und Abwärtsbewegung entsteht eine kleine Wassersäule, die die Katze im richtigen Moment „abbeißt“ und herunterschluckt. Die kleinen Hornzähne begünstigen den Aufbau der Wassersäule, da sich winzige Tropfen zwischen ihnen halten können und mit nach oben gezogen werden.

Katze erzeugt beim Trinken eine Flüssigkeitssäule
Bei diesem kleinen Kätzchen ist die Flüssigkeitssäule, die beim Trinken entsteht, deutlich sichtbar.

Fellpflege

Die wohl größte Bedeutung hat der spezielle Aufbau der Zunge bei der Fellpflege. Durch die nach hinten gerichteten Hornzähne lassen sich verfilzte Stellen im Fell wie mit einem Kamm herausbürsten. Lose Haare und Hautschuppen bleiben hängen und werden abgeschluckt. Sogar Parasiten im Fell können mit der rauen Zunge entfernt werden.

Schon gewusst? Katzen sind täglich etwa 3,5 Stunden mit der Fellpflege beschäftigt und bauen dadurch sogar Stress ab!

Nur in den Ohren können sich Katzen nicht selbst putzen. Schwarze Krusten im Ohr sind daher kein Zeichen von Unsauberkeit ihres Tieres, sondern können durch einen Befall mit Ohrmilben entstehen. Daher sollte jeder Katzenbesitzer regelmäßig die Ohren seines Stubentiegers kontrollieren.

Da Katzen lediglich an den Pfotenballen, am Nasenspiegel, im Kinnbereich und am After Schweißdrüsen besitzen, sorgt die Fellpflege mit der Zunge nicht nur für Sauberkeit, sondern auch für Kühlung, wenn die Feuchtigkeit verdunstet.

Schon gewusst? Bei der täglichen Fellpflege verliert eine Katze genauso viel Flüssigkeit, wie beim Wasserlassen.

Durch das Belecken des Fells entfernt die Katze zudem fremde Gerüche und regt die Durchblutung der Haut an. Dadurch werden die Talgdrüsen stimuliert Fett (Talg) abzusondern, welches das Fell geschmeidig und wetterfest macht. Das Fett wird mit der Zunge gleichmäßig im Fell verteilt.

Das Jacobson´sche Organ

Können Katzen mit Hilfe Ihrer Zunge auch Riechen?

Nein- Katzen besitzen jedoch, wie fast alle Wirbeltiere, ein zusätzliches Riechorgan in der Maulhöhle. Es dient dazu, über die Zunge aufgenommene Geruchstoffe, zu analysieren und die Geschmackswahrnehmung zu unterstützen. Die Öffnung zum sogenannten Jacobson´sche Organ (oder Vomeronasal Organ) ist bei Katzen als kleine Papille am Gaumen hinter den oberen Schneidezähne zu erkennen.

Das Riechorgan besteht aus einer winzigen, schlauchartigen Einbuchtung und steht in direkter Verbindung zum Jacobson’schen Knorpel, welches die Kontaktstelle zu einem schwellkörperartigem Venengeflecht und Muskelzellen bildet. Nimmt eine Katze einen besonders interessanten Geruch wahr, zeigt sie das sogenannte „Flehmen“. Dabei wird das Maul leicht geöffnet, die Nase gerümpft, die Oberlippe hoch- und die Maulwinkel nach hinten gezogen. So verharren sie meist regungslos. Die genaue Funktion des Flehmens ist noch umstritten, jedoch soll das Jacobson´sche Organ soll vor allem der Wahrnehmung von Pheromonen dienen. Durch intensive Bewegungen der Zunge kann die Katze die Geruchswahrnehmung noch verstärken, da die Duftstoffe schneller das Sinnepithel im Jacobson´schen Organ erreichen. Dadurch entsteht fälschlicherweise der Eindruck, dass Katzen auch über die Zunge riechen.

Autor dieses Artikels: Isabella

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