Das Katzenauge – gute Sicht bei wenig Licht

13.12.2017 08:24

Der spezielle Aufbau des Katzenauges ermöglicht eine optimale Sicht auch bei schlechten Lichtverhältnissen. Da Katzen von Natur aus Jäger sind, führen sie ihre Streifgänge auch gerne bei Dämmerung aus. Hier kommt ihnen ihre gute Sehkraft sehr gelegen.

Nahaufnahme vom Gesicht einer Katze
Bei starkem Lichteinfall verengt sich die multifokale Linse zu einem senkrechten Schlitz.

Aufbau und Besonderheiten des Katzenauges

Katzenaugen sind wie beim Menschen nach vorne ausgerichtet. Dies ermöglicht den kleinen Jägern eine gute räumliche Wahrnehmung. Ihr Blickwinkel beträgt dabei etwa 200-220° (Mensch 180°). Besonders schnelle Bewegungen können Katzen sehr gut wahrnehmen. Das bietet ihnen bei der Jagd einen Vorteil.

Das Auge der Katze wird durch 3 Augenlider umrahmt. Das obere ist beweglich, das untere nicht. Das dritte Augenlid wird Nickhaut genannt. Sie besteht aus einer dünnen Membran im Augenwinkel. Die Nickhaut bietet nicht nur Schutz vor Fremdkörpern sondern sorgt auch für ausreichend Feuchtigkeit in Form von Tränenflüssigkeit für den Augapfel. Daher müssen Katzen nicht blinzeln.

Durch die enorme Verformbarkeit der Pupille können Katzen sogar bei sehr schlechten Lichtverhältnissen noch um 50-60% besser sehen als Menschen. Ihre Linse ist multifokal. Das bedeutet, dass sich die Pupille bei viel Licht zu einem dünnen senkrechten „Schlitz“ verengen kann und bei wenig Licht stark ausdehnt. Diese Eigenschaft besitzen nur Katzen, Schlangen und Geckos. Zum guten Sehvermögen bei wenig Licht trägt auch die reflektierende Pigmentschicht (lat. Tapetum lucidum) hinter der Netzhaut bei. Einfallendes Licht, welches nicht absorbiert wurde wird durch diese Schicht nochmal zur Netzhaut zurückgeworfen. Diese spiegelnde Schicht bewirkt auch das „leuchten“ der Katzenaugen, wenn diese angestrahlt werden.

Bei vollständiger Dunkelheit, können aber auch Katzen nichts mehr sehen!

Die Lichtempfindlichkeit des Katzenauges ist auch wegen der höheren Anzahl an Stäbchen auf der Netzhaut, besser als die des Menschen. Stäbchen sind Sinneszellen, die auf Lichtimpulse reagieren und die Informationen ans Gehirn weitergeben. Bei der Farbwahrnehmung ist der Mensch jedoch der Katze voraus. Katzen haben auf der Netzhaut lediglich Zapfen (Sinneszellen zur Farbwahrnehmung), die auf kurz- und mittelwelliges Licht reagieren, jedoch nicht auf langwelliges Licht. Deshalb sind Katzen nicht in der Lage die Farbe Rot zu sehen. Nur Blau, Gelb und ihre Mischfarben können Katzen wahrnehmen.

Anatomischer Aufbau des Katzenauges
Bildquelle: www.katzen-fieber.de

Augenfarben von Katzen

Die häufigste Augenfarbe bei Katzen ist grün, in allen Schattierungen. Schokobraune Augen kommen bei Katzen gar nicht vor. Stattdessen gibt es sie in dunklen Kupferfarben.

Auch blaue Augen können bei ausgewachsenen Katzen auftreten. Sie sind unter anderem bei folgenden Katzenrassen zu sehen:

  • American Curl
  • Birma
  • Britisch Kurzhaar
  • Javanese
  • Ragdoll
  • Siam
  • Snow Bengal
  • Tonkanese
  • Türkisch Angora

Rote Augen bei Katzen treten beim Albinismus auf. Hier fehlen die Farbpigmente sowohl im hinteren Epithel der Iris, als auch auf der Netzhaut. Die Blutgefäße im Augenhintergrund scheinen so durch die Iris durch und lassen das Auge rot wirken. Beim Albinismus sind die Melanozyten zwar vorhanden, sind aber nicht in der Lage Melanin zu produzieren. Albinismus bedeutet jedoch nicht immer rote Augen: Bei schwächeren Formen des Albinismus können auch blaue Augen auftreten.

Warum haben Babykatzen blaue Augen?

Katzenbabys kommen wie viele Tiere blind und mit geschlossenen Augen auf die Welt. Erst nach etwa 5-10 Tagen öffnen sie die Augen. Ihre volle Sehfähigkeit erhalten die Kitten jedoch erst nach etwa 3 Wochen. Alle Katzenbabys kommen mit blauen Augen zur Welt. Die Umfärbung zu ihrer endgültigen Augenfarbe beginnt nach ca. 3 Monaten. Grund für die blauen Augen ist die Regenbogenhaut (Iris). Diese ist bei Katzen anfangs noch nicht voll entwickelt. Das Melanin, welches den Augen ihre Farbe gibt, wird erst nach der Geburt von den Melanozyten produziert und lagert sich auf der Regenbogenhaut an. Die Augen erscheinen Anfangs blau, da noch kein Melanin auf der Regenbogenhaut vorhanden ist. Das Auge ist eigentlich farblos, durch das im Auge gebrochene Licht wirken sie jedoch blau.

Babykatze mit blauen Augen

Augenkrankheiten

Augenerkrankungen sind vielfältig und nicht immer leicht zu bestimmen. So kann ein Symptom bei verschiedenen Augenerkrankungen auftreten, die jedoch eine völlig andere Ursache haben. Eine Trübung des Auges kann beispielsweise sowohl auf grauen Star, als auch auf eine Erkrankung an Diabetes mellitus hindeuten. Bei jeder Augenkrankheit ist jedoch ein schnelles Eingreifen wichtig. So kann eine mögliche Verschlechterung der Sehleistung manchmal noch verhindern werden.

Wenn sich am Auge der Katze Veränderungen zeigen sollte deshalb immer rechtzeitig ein Tierarzt zu Rate gezogen werden!

Einige Beispiele für häufig vorkommende Erkrankungen des Auges sind:

Bindehautentzündung: Eine Bindehautentzündung äußert sich meist durch vermehrten Sekretausfluss aus dem Auge, häufiges Blinzeln und Rötung des Auges. Die Katze reibt sich häufig das Auge und ist lichtscheu. Auslöser können Staub und Schmutz im Auge sein. Auch eine bakterielle oder virale Infektion, sowie eine allergische Reaktion können eine Bindehautentzündung nach sich ziehen.

Nickhautvorfall: Die Nickhaut ist eine Bindehautfalte im inneren Augenlid die im Normalfall nur leicht im Bereich der Nase das Auge bedeckt. Beim Nickhautvorfall verschiebt sich die Nickhaut und bedeckt einen großen Teil des Auges. Häufig ist dieser Vorfall eine Begleiterscheinung der Bindehautentzündung oder des Katzenschnupfens. Er kann aber auch das Resultat eines Revierkampfes unter Katzen sein.

Grüner Star (Glaukom): Durch einen erhöhten Augeninnendruck wird die Pupille geweitet. Auch bei Lichteinfall zieht sich die Pupille nicht wie sonst zusammen. Der erhöhte Druck im Auge führt nicht nur zu einem geminderten Sehvermögen, sondern verursacht auch starke Schmerzen. Bei fortgeschrittener Krankheit gibt die Hülle dem permanenten Druck nach, der Augapfel ist stark vergrößert, die Hornhaut trüb und das Auge erblindet.

Beim grünen Star wird zwischen Primär- und Sekundärglaukom unterschieden. Sekundärglaukome entstehen durch eine Vorerkrankung z.B. Entzündungen. Primärglaukome sind erblich- und rassebedingt.

Grauer Star (Katarakten): Der graue Star äußert sich durch eine gräuliche Trübung der Linse, die bei fortschreitender Erkrankung fast weiß werden kann. Die betroffene Katze kann zwar immer schlechter sehen, hat dabei jedoch keine Schmerzen. Der graue Star ist meist eine Alterserscheinung. Eine Trübung der Linse kann jedoch auch auf eine Erkrankung an Diabetes mellitus hindeuten und wird deshalb oft verwechselt.

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Autor dieses Artikels: Isabella

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