Hunde-Wohlfühlzone: In der Stadt oder auf dem Land?

22.05.2019 08:48

Ob das Leben in der Stadt oder auf dem Land besser ist, da gehen die Meinungen der Menschen manchmal weit auseinander. Die einen lieben den Trubel, den eine große Stadt bietet. Andere wiederum bevorzugen die Ruhe eines kleinen Dorfes. Menschen sind verschieden und haben dementsprechend auch unterschiedliche Vorstellungen von der idealen Wohngegend. Doch wo lebt es sich für einen Hund eigentlich besser?

Hunde an der Leine in der Stadt

Auch Hunde können, selbst wenn sie der gleichen Rasse angehören, grundverschieden sein. Versucht man Hunde aus ganz verschiedenen Rassen dann zu vergleichen, gehen die individuellen Bedürfnisse dann noch weiter auseinander.

Vorteile Stadt

In der Stadt liegen Einkaufsmöglichkeiten oder Freizeiteinrichtungen meist in unmittelbarer Nähe zur Wohnung. Oft sogar so dicht, dass sie sogar zu Fuß schnell erreichbar sind. Das bedeutet, der Hund kann super mitgenommen und der Weg als Gassi-Einheit genutzt werden.

Auch ein Tierarzt ist in der Stadt oft näher am Zuhause dran. Meist sind sogar mehrere Tierärzte in der Umgebung verfügbar, was die medizinische Versorgung im Notfall manchmal einfacher macht als auf dem Land. Auf Kleintiere spezialisierte Tierärzte findet man in der Stadt zudem häufiger als auf dem Land. Dort werden Kleintiere oft von Großtierärzten mitbehandelt.

Ein weiterer Vorteil in der Stadt ist die Möglichkeit der Kontaktaufnahme zu anderen Artgenossen. In den für Hunde freigegebenen Parks trifft man fast immer andere Halter mit ihren Hunden. Das gemeinsame Spielen fördert die Sozialkompetenz der Hunde und macht den Spaziergang um einiges spannender.

Die vielen anderen Hunde und der ständige Trubel in der Stadt lehrt viele Hunde außerdem, in Situationen wo viel Lärm und Hektik herrscht, entspannt zu bleiben. Sie sind an ständig wechselnde Geräusche und Gerüche, sowie an viele Menschen gewöhnt. Neue Situationen nehmen sie dadurch etwas gelassener auf, als andere.

Nachteile Stadt

Der angesprochene Trubel in der Stadt kann für einige Hunde auch zum Nachteil sein, bzw. zur Überforderung führen. Der ständige Reizüberfluss bedeutet Stress. Auch wenn Hunde als sehr anpassungsfähig gelten, kommt nicht jedes Tier gleichermaßen gut damit klar.

Hunde riechen und hören deutlich besser als wir Menschen. Wenn uns die Geräuschkulisse in der Stadt mal zu laut erscheint, ist sie es für unsere Hunde schon lange.

Auch Abgase oder Abfälle auf der Straße, die nicht für den Hundemagen bestimmt sind, können die Gesundheit beinträchtigen. Der harte Betonboden ist in vielen Innenstädten der überwiegende Bodenbelag und kann besonders für Hunde mit Gelenkproblemen eine Belastung darstellen. Der oft starke Verkehr auf den Straßen und Bürgersteigen erhöht das Unfallrisiko für unsere Vierbeiner und führt in vielen Bereichen zu Leinenzwang. Da zu einer Wohnung in der Stadt selten ein Garten gehört, bleibt als Platz für den freien Auslauf in der Innenstadt oft nur ein eingezäunter Park.

Ein weiterer Nachteil ist die teilweise höhere Hundesteuer in der Stadt. Meist müssen Hundehalter auf dem Land Beträge zwischen 5-20€ jährlich zahlen. In einigen Gemeinden wird sogar gar keine Hundesteuer erhoben.

Zum Vergleich einige Beispiele für die Hundesteuer in der Stadt *:

  • Hamburg: 90€
  • Berlin: 120€
  • Köln: 156€
  • Mainz: 186€
  • Kiel: 126€
  • München: 100€

*Die genannten Werte sind ohne Gewähr. Da sich Steuersätze verändern können, können die tatsächlichen Zahlen von diesen Werten abweichen. Für genaue Angaben bitte an die jeweils zuständige Gemeinde wenden!

Vorteile Dorf

Zusätzlich zu der meist geringeren Hundesteuer auf dem Land, bietet das Leben auf den Dörfern für Hunde vor allem eines: Platz zum Toben!

Statt der Suche nach einem für Hunde freigegebenen Park, beginnt der Spaziergang im Grünen teilweise bereits direkt vor der Haustür. Auch auf dem Land gibt es zwar teilweise Leinenpflicht und die Hunde dürfen nicht einfach über jeden Acker rennen, dennoch ist das Platzangebot zum Rennen und Toben wohl deutlich größer. Wälder und Feldwege sind oft nicht weit entfernt und durch die geringere Bevölkerungsdichte ist es deutlich ruhiger als in der Stadt.

Besitzt man einen Garten hinter dem Haus, kann man dem Hund zusätzlich zur Gassi-Runde leicht Bewegung verschaffen.

Nachteile Dorf

Die teilweise große Entfernung zwischen Wohnung und Geschäften kann auf dem Land von Nachteil sein. Oft ist man hier auf das Auto angewiesen und kann die Strecke nicht zu Fuß mit dem Hund bewältigen, um ihm zusätzliche Bewegung zu verschaffen.

Auch die Anzahl der Tierärzte, die sich auf Kleintiere spezialisiert haben, ist auf dem Land geringer als in der Stadt.

Ein weiterer Nachteil kann sein, dass Hunde, die auf dem Land großgeworden und an die Ruhe gewöhnt sind, überfordert sein können, wenn sie an einen Ort kommen, wo Hektik und Trubel herrscht. Auch der plötzliche Kontakt zu Artgenossen kann einige Hunde aus dem Konzept bringen. Was für den Stadthund meist normal ist, wenn man Hunden auf der Gassi-Runde oder im Park trifft, bringt einige „Dorfhund“ in eine ungewohnte Situation. In dem weitläufigen Spaziergang-Gebiet auf dem Land trifft man halt deutlich seltener auf andere Hundebesitzer.

Fazit

Die Gegenüberstellung der Vor- und Nachteile gibt einen kleinen Überblick. Ob das Leben für den Hund in der Stadt oder auf dem Land nun besser ist, ist dennoch schwer zu beurteilen.

Die Wahl des idealen Wohnortes für die Hundehaltung sollte auf jeden Fall stets individuell für jeden Hund getroffen werden. Die Rasse des Hundes und die damit verbundenen Bedürfnisse können dabei ein Anhaltspunkt sein. So ist es wahrscheinlich ein schwieriges Unterfangen einen Hütehund wie z.B. den Kangal oder einen Polski Owczarek Podhalanski in der Stadt richtig auszulasten oder im hohen Alter die Stufen zur Wohnung im 5. Stock hochzutragen. Auch einige Jagdhunderassen werden sich in der Stadt vielleicht nicht besonders wohl fühlen, wenn sie ihren Jagdtrieb nicht ausleben dürfen.

Zusätzlich sind aber auch der Charakter des Hundes oder auch gesundheitliche Einschränkungen relevant. Ein großer Hund mit Hüftproblemen eignet sich wahrscheinlich nicht für die Wohnung im 10. Stock ohne Fahrstuhl.

Generell kann man vielleicht sagen, dass die Umgewöhnung eines Hundes vom Stadtleben zum Landleben etwas einfacher sein kann, als andersherum. Die Veränderung von Ruhe zu Hektik und Trubel kann viele Hunde leicht verschrecken und die Anpassung an die neue Umgebung kann, besonders bei ängstlichen Hunden, länger dauern.

Manchmal steht am Anfang auch nicht die Frage nach dem richtigen Wohnort für den Hund, sondern vielmehr, welcher Hund für meine vorhandene Wohnsituation am geeignetsten ist. Auch hier kann eine Aufstellung der Vor- und Nachteile dabei helfen, herauszufinden, welche Rasse und welche Charaktereigenschaften der Familienzuwachs haben sollte. Nur weil das Aussehen eines Hundes gefällt, heißt dies leider nicht automatisch, dass er auch zu mir und meiner Umgebung passt.

Autor dieses Artikels: Johanna

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