Koprophagie - Warum frisst mein Hund Kot?

06.08.2019 09:10

Bei Koprophagie handelt es sich um den Fachbegriff, der das Fressen von eigenem oder fremdem Kot beschreibt. Bei Hunden wird dieses Verhalten nicht selten beobachtet und darf nicht grundsätzlich als natürliches Verhalten abgetan werden. Es gibt viele Gründe, die dazu führen, dass ein Hund damit beginnt Kot zu fressen. Diese sind nicht immer harmlos.

Der Kot ihrer Artgenossen ist für Hunde keineswegs so ekelerregend wie für uns Menschen. Durch die flüchtigen Fettsäuren im Kot, sollen Hunde diese sogar als wohlriechend oder zumindest als äußerst interessant empfinden. Aber auch der Kot von anderen Tieren, wird von Hunden manchmal gefressen.

Hundehaufen aufsammeln

Ist Kotfressen ein natürliches Verhalten?

Ob das Fressen von Kot bei Hunden zum natürlichen Verhalten gezählt werden kann ist umstritten. Bei Hündinnen, die geworfen haben, lässt sich häufig beobachten, dass sie den Kot ihrer Welpen fressen. Dieses Verhalten soll darin begründet sein, dass die Hündin früher die Duftspur der Welpen vernichtet hat, damit Raubtiere den Unterschlupf und ihre Nachkommen nicht finden. Heutzutage muss eine Hündin sich und ihre Welpen in der Obhut des Menschen zwar nicht mehr vor Raubtieren schützen, trotzdem verleitet sie ihr Instinkt dazu, den Kot zu entfernen. Wenn Welpen Kot fressen, scheint dies dem Aufbau der eigenen Darmflora zu dienen.

Man könnte daher in diesen beiden Fällen vielleicht von einem natürlichen Verhalten sprechen. Es gibt aber auch viele andere Situationen, in denen das Kotfressen nicht normal ist. Die Gründe für Koprophagie sind vielfältig.

Welche Gründe für Kotfressen gibt es?

Einige mögliche Gründe für das Kotfressen bei Hunden können beispielsweise die Folgenden sein:

1. Mangelerscheinung:

Wenn die Ernährung nicht zum Bedarf des Hundes passt, können Mangelerscheinungen auftreten. Dies kann sich unter Umständen dadurch äußern, dass der Hund den Kot seiner Artgenossen frisst, um das Defizit auszugleichen.

2. Hunger:

Bei schlechter Ernährung oder einer zu geringen Futtermenge, greifen einige Hunde auf Kot als Nahrung zurück, um ihren Hunger zu stillen.

3. Überfütterung:

Auch ein Zuviel an Futteraufnahme kann zu Koprophagie führen. Durch eine Überfütterung kann es dazu kommen, dass vermehrt Bakterien im Dickdarm gebildet werden, was zu Verdauungsstörungen führen kann. Im Kot sind dadurch unverdaute Nahrungsbestandteile enthalten, wodurch dieser noch attraktiver für Hunde wird.

4. Leben in schlechten Hygieneverhältnissen:

Einige Hunde, die in Zwingerhaltung leben, in dem schlechte Hygieneverhältnisse herrschen, fressen teilweise ihren eigenen Kot. Vermutlich tun sie dies aus einem Reinigungszwang heraus oder aus Frust über die gegebenen Lebensumstände.

5. Aufmerksamkeit:

Sind Hunde sich ihrer sozialen Stellung im Familienverbund nicht bewusst oder fühlen sich zu wenig beachtet, greifen sie manchmal auf etwas zurück, von dem sie wissen, dass es ihnen eigentlich verboten ist, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Dies kann, wenn sich die Gelegenheit bietet, auch das Fressen von Kot sein. Der Hund erzeugt dadurch Ärger beim Menschen, was leider auch eine Form der Aufmerksamkeit sein kann.

6. Krankheit:

Einige Krankheiten können dazu führen, dass der Hund mit dem Kotfressen beginnt. Dazu zählt zum Beispiel die Pankreasinsuffizienz. Bei dieser Erkrankung handelt es sich um eine Bauchspeicheldrüsen-Unterfunktion. Es sind zu wenig Verdauungsenzyme vorhanden, was zu Abmagerung durch Nährstoffmangel und gleichzeitigen Heißhungerattacken führen kann. Ist nicht essbares in der Nähe, greifen Hunde dann unter Umständen auf Kot zurück.

7. Parasiten:

Würmer können zu erheblichen Verdauungsstörungen führen und den Hund dazu veranlassen, Kot zu fressen.

8. Schlechte Angewohnheit:

Hunde, denen das Kotfressen nie untersagt wurde, sehen Kot teilweise als ganz normale Nahrungsquelle an. Sie sind neugierig und untersuchen alles in ihrer Umgebung. Da Kot für Hunde nicht abschreckend, sondern interessant riecht, neigen besonders Welpen, für die alles und jeder auf der Welt hochinteressant erscheint, dazu, sich mit Kot zu beschäftigen. Auch Welpen, die im Wurf zu wenig Nahrung abbekommen und deshalb wegen Hunger auf Kot zurückgreifen, werden so früh auf Kot als Nahrung geprägt. Das Verhalten setzt sich im Alter fort, wenn es nicht unterbunden wird und ist nur schwer wieder abzutrainieren.

Hundewelpe frisst Kot
Welpen finden alles in ihrer Umgebung interessant, auch der Kot anderer Tiere wird untersucht.

Wie kann der Hundehalter das Kotfressen verhindern?

Die effektivste Methode ist sicherlich das sofortige Beseitigen des Kots, um den Hund gar nicht erst in Versuchung zu bringen. Neben viel genutzten „Hunde-Gassi-Wegen“ sind dafür oft sogar extra Tütenspender aufgestellt. Verantwortungsbewusste Hundehalter sollten Kotbeutel aber sowieso immer dabei haben. Das Beseitigen der Hinterlassenschaften beugt nicht nur Kotfressen vor, sondern erfreut auch andere Mitmenschen, die auf diese Weise nicht in die „Tretmienen“ hineinlaufen.

Kotbeutelspender
Das Aufsammeln von Kot beugt Kotfressen am effektivsten vor und hält die Umgebung gleichzeitig frei von „Tretmienen“.

Wenn krankheitsbedingtes Kotfressen und Mangelernährung ausgeschlossen werden kann, ist Koprophagie sehr oft ein Verhalten, welches der Hund anwendet, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Da es uns Menschen innerlich schüttelt, wenn wir unseren Hund sehen, wie er Kot frisst, greifen wir oftmals übereilt und hektisch ein. Der Hund hat in diesem Fall jedoch erreicht was er wollte und wird in seinem Verhalten bestärkt: Kotfressen = Garantierte Aufmerksamkeit durch den Menschen!

Eigentlich wäre es aus diesem Grund besser, den Hund zu ignorieren, wenn er Kot frisst. Dies ist für uns Menschen jedoch nur schwer zu ertragen. Da durch den Kot auch Parasiten übertragen werden können ist es zudem auch nicht empfehlenswert, den Hund gewähren zu lassen.

Eine wirksame Maßnahme ist bei Spaziergängen daher die Ausgestaltung der Gassi-Runde. Wenn der Hund nicht nur unbeachtet neben einem herläuft, sondern zwischendurch spannende Aufgaben erledigen muss, bleibt er während des Spaziergangs stets auf seinen Besitzer fokussiert. Es kommt keine Langeweile auf, die den Hund dazu verleitet Kot aufzustöbern und zu verspeisen. Apportierspiele oder Futtersuche sind beispielsweise ideale Aufgaben, die sich in die Gassi-Runde einbauen lassen. Wird dem Hund eine viel spannendere und aus seiner Sicht erstrebenswertere Alternative zum Kot geboten, wird er sich leichter davon abbringen lassen.

Diese Methode ist sogar auf Dauer effektiver als das Korrigieren des Hundes, wenn er schon einen Haufen entdeckt hat. Er wird wahrscheinlich in diesem Moment davon ablassen, wird jedoch nicht davon abgehalten, sich den nächsten Kothaufen zu suchen. Dadurch ist eine permanente Aufmerksamkeit des Hundehalters gefordert, da er bei jedem Versuch, Kot zu fressen, wieder eingreifen muss.

Autor dieses Artikels: Isabella

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