Anti-Giftköder-Training: Geduld und klare Ansagen

06.04.2016 18:19

Jeden Morgen um Punkt 06:00 Uhr steht Bonzo, unser 2-jähriger Jack Russell-Rüde, an der Wohnungstür, jankt und fiept, weil er raus will und muss. Erfreulicherweise liegt unsere Wohnung direkt an einem Park, sodass die morgendliche Gassirunde auch mir nicht so schwerfällt. Im Park treffen wir häufig dieselben Hundebesitzer mit ihren Wuffis – man kennt sich. So erfahren wir in der Regel schnell, wenn wieder ein Hundehasser im Park unterwegs war und unter Büschen oder sogar in der Hundefreilaufzone giftige „Leckerbissen“ ausgelegt hat. Nach dieser Warnung meiden wir die mutmaßliche Gefahrenzone eine Zeitlang und verlegen das Gassigehen auf andere Wege. Die Entwarnung erfolgt meist so wie die Warnung, mündlich. Weil wir uns nicht allein auf diese Informationsquelle verlassen wollten, haben wir nach weiteren Möglichkeiten gesucht, um unseren neugierigen und lebhaften Hund vor giftigen „Leckerlis“ zu schützen. Dabei sind wir auf verschiedene Angebote für ein „Anti-Giftköder-Training“ gestoßen.

Gefahren durch Giftköder beim Hund

Was man wissen sollte - Tipps gegen Giftköder

Nachdem wir uns für eines der Trainingsangebote entschieden hatten, erklärte uns die Trainerin in der ersten Unterrichtsstunde: „Sie können das Risiko einer Vergiftung verringern, indem Sie Ihren Hund während des Auslaufs immer gut im Auge behalten und die Umgebung nach verdächtigen Dingen „abscannen“. Wer diesen Rat beherzige, könne im Zweifelsfall rasch reagieren und verhindern, dass giftige „Beute“ im Maul seines geliebten Vierbeiners lande. Auf Spaziergängen sei eine ausreichende Beschäftigung unseres Bonzos wichtig, damit er nicht aus purer Langeweile anfange, zwischen Sträuchern und Büschen nach „interessantem“ Futter zu suchen.

Wie schützt man seinen Hund – Übungen zur Vorbeugung

Genauso wie ein guterzogener Hund auf „Sitz“ und „Platz“ reagiert, kann er lernen, nichts vom Boden oder aus der Hand von Fremden aufzunehmen. Bei diesem Lernprozess kann es sehr hilfreich sein, mit „Leckerlis“ zu arbeiten. Ein Beispiel: Sobald der Hund auf einen interessanten Gegenstand am Boden stößt, stellt man rasch seinen Fuß darauf und ruft zugleich ein klares Kommando, wie „Nein“ oder „Pfui“. Lässt der Hund von seiner Beute ab, muss man ihn sofort loben und belohnen – zum Beispiel mit seinem „Lieblingsleckerli“. Was sich in der Theorie einfach anhört, erfordert in der Realität oft viele Wiederholungen und vor allem Geduld. So wartete unser Bonzo immer ganz ruhig bis ich meinen Fuß von „seiner“ Beute genommen hatte, um sich um sich sofort wieder darauf zu stürzen. In diesen Moment musste ich blitzschnell meinen Fuß mit dem begleitenden Kommando „Nein“ zurück auf die Beute stellen. Diese Übung haben wir solange wiederholt, bis er akzeptierte, dass er dieses „unerlaubte Ding“ niemals (!) bekommen wird. Als es endlich soweit war, wurde er selbstverständlich mit seinem „Lieblings-Leckerli“ und einer extra Streicheleinheit belohnt.

Für den Fall, dass der Hund in einem unbeobachteten Moment doch etwas „Verbotenes“ frisst, muss ich versuchen, meinen Vierbeiner zum Ausspucken des „Leckerlis“ zu bewegen. Hierfür nutze ich einen ungiftigen „Trainingsköder“. Sobald ich sehe, dass mein Hund diesen Köder aufnimmt, fasse ich ihm beherzt ins Maul und hole seine Beute sofort (!) wieder heraus. Dieses Vorgehen muss ich mit einem festen Befehl wie „AUS“ verknüpfen. Nur so lernt mein Hund, Dinge auf Kommando wieder auszuspucken. Wie man sich leicht vorstellen kann, ist dieser Vorgang für das Tier sehr unangenehm, und es lernt rasch, auf den Befehl „AUS“, alles, was es im Maul hat, auszuspucken.

Um Ihren Vierbeiner zusätzlich vor Hundehassern und Giftködern zu schützen, sollten Sie es grundsätzlich nicht erlauben, dass Ihr Hund von Fremden etwas zu Fressen bekommt. Erklären sie der Person, dass der Hund aus Sicherheitsgründen nichts annehmen darf. Wenn Sie es niemals erlaubt haben, wird der Hund zunächst einmal vorsichtig sein, wenn ein Unbekannter versucht, ihn mit einem „Leckerli“ anzulocken und zu füttern.

Wenn’s mit dem Anti-Giftköder-Training nicht klappt

Es gibt natürlich auch Hunde, die sich einfach nicht vom Fressen unerlaubter Dinge abhalten lassen. In so einem Fall sollten wir, auch wenn es schwerfällt, unseren Vierbeiner mit einem Maulkorb vor Giftködern schützen. Dabei ist es wichtig, den Hund vorsichtig und mit viel Geduld an den Maulkorb zu gewöhnen. Sonst kann es sein, dass sich Ihr Bello mit allen vier Pfoten gegen den Maulkorb wehrt und ihn niemals akzeptiert.

Das Wichtigste: Konsequenz!

Wenn Sie sich einmal für eine Richtung entschieden haben, bleiben Sie dabei! Alles andere verwirrt Ihren Hund und erschwert seine Erziehung.

Tipp: Um nach unserem Lehrgang noch mehr Sicherheit im Anti-Giftköder-Training zu bekommen, haben wir zusätzlich Trainingsfilme anderer Hundeschulen auf YouTube angesehen.

Auch hilfreich: Die GiftköderRadar App auf www.giftkoeder-radar. Sie informiert unterwegs über mutmaßliche Gefahrenzonen in Ihrer direkten Umgebung. Die App gibt es kostenlos im iTunes AppStore oder für Android Smartphones auf GooglePlay.

Anzeichen für und schnelle Hilfe bei einer Vergiftung – was tun?

Bringen Sie Ihren Hund bei Verdacht auf eine Vergiftung immer unverzüglich zum Tierarzt oder in eine Tierklinik. Von eigenmächtigen Aktionen sollten Sie lieber die Finger lassen. Nehmen Sie, wenn möglich, den Köder unbedingt mit in die Praxis – aber nicht mit bloßen Fingern anfassen! Wichtig: Den Tierarzt immer erst anrufen. Nur so kann man wirklich sicher sein, dass er im Dienst und vor Ort ist. Außerdem gibt man ihm so die Möglichkeit, sich auf den Fall vorzubereiten. Dazu müssen Sie ihm vorhandene Symptome so exakt wie möglich schildern.

Diese Übersicht ist eine Auswahl von Maßnahmen. Sie wurde nach bestem Wissen und Gewissen erstellt. Sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und ferner werden die Angaben ohne Gewähr gemacht.

Wenn Sie diese Dinge konsequent angehen, haben Sie gute Chancen, Ihren Bello vor den Machenschaften gemeiner Hundehasser zu beschützen.

Lesetipp: Anti-Giftköder-Training

Übungsprogramm für Staubsauger-Hunde, Sonja Meiburg, ISBN 978-3-8404-2518-9

Autor dieses Artikels: Andrea

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